Kaarst: Die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen

Kaarst : Die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen

Ursula Baum und Brigitta Thönißen sind seit rund zwei Jahren die Stellvertreterinnen von Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus - und haben immer noch Spaß an den vielen unterschiedlichen Terminen, die sie wahrnehmen.

Die Kaarster Stadtspitze ist weiblich: Mit Ulrike Nienhaus ist im Jahr 2015 die erste Frau an die Spitze gewählt worden. Sie hat mit Ursula Baum (FDP) eine erste und mit Brigitta Thönißen eine zweite Stellvertreterin. Aber wie wird man das überhaupt? Ursula Baum erinnert sich noch genau: "Ich lag mit meinem Laptop im Bett, als die Nachricht aufploppte, ob ich mir das Amt vorstellen könnte", erzählt sie. "Wenn Ihr eine Scheidung haben wollt, ja", antwortete sie spontan. Die Reaktion ihres Mannes Dietmar war aber eindeutig: "Es ist dein Leben, was möchtest du?", meinte er. Und seitdem füllt sie ihr Amt mit Herzblut aus. Die Termine verteilen sich ungleichmäßig - viele sind am Wochenende. Die Bandbreite ist groß: Es reicht von Eröffnungen von Einrichtungen, Übergabe eines neuen Feuerwehrfahrzeugs bis hin zu Besuchen anlässlich runder Geburtstage oder Ehejubiläen. Dafür nimmt sie sich immer besonders viel Zeit. "Ich verstehe mich als Türöffner, um Menschen zu helfen. Zugleich ist es eine Ehre, dies als Dienstleistung für die Stadt zu tun", erklärt die 50-jährige, die mit ihrem Mann und den beiden inzwischen erwachsenen Kindern seit 1994 in Kaarst lebt.

Hinzu kommen die Bürgersprechstunden ein bis zweimal monatlich. Baum arbeitet Vollzeit im kaufmännischen Bereich. Stellvertreterin der Bürgermeisterin zu sein, ist nämlich kein Hauptberuf. Ebenso wie Brigitta Thönißen übt auch Ursula Baum das Amt ehrenamtlich aus. "Aber ich arbeite oft von zu Hause aus und ich habe eine Chefin, die mir sehr entgegenkommt", erklärt sie. Bei den morgendlichen Runden mit ihrem im Februar verstorbenen Hund übte sie ihre Reden ein. Lustiges gibt es auch: Bei der Abschlussfeier der Realschule setzte sich ein kleiner Junge neben sie, fragte vorsichtig nach, ob sie die Bürgermeisterin sei. "Dann meinte er, ob er denn überhaupt mit mir reden dürfte", sagt sie lachend. Von ihrer Aufwandsentschädigung in Höhe von monatlich 870,60 brutto bleibe unterm Strich nicht viel - sie spende fast alles. Tennis, Segeln und Lesen bieten ihr Entspannung.

Brigitta Thönißen ist ausgebildete Tontechnikerin und war nach der Geburt ihrer drei Kinder als Hausfrau tätig, hat das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin nie angestrebt: "Ich habe mir damals erst mal von Herrn Moormann erklären lassen, was auf mich zukommt", erinnert sie sich. Und auch sie erfüllt das Amt mit großer Zufriedenheit: "Die Menschen sind alle sehr freundlich und dankbar für die prompte Umsetzung ihrer Anliegen", lobt sie die Verwaltung. Davon zeugen liebevoll gestaltete kleine Geschenke wie Dankeskarten. Brigitta Thönißen (68) nutzt vor allem ihren Stand als im Alten Dorf aufgewachsene Ur-Kaarsterin. "Bei hohen Geburtstagen und Ehejubiläen wird oft in Erinnerungen geschwelgt", erzählt sie.

Ihre Motivation sei es, sich vor Ort für die Bürger einzusetzen. Deshalb zieht sie es auch vor, möglichst viele Termine 'mittendrin' wahrzunehmen. "Weit außerhalb von Kaarst müssen wir nicht unbedingt vertreten sein", findet sie. Ihre Reden trägt sie möglichst frei mit Hilfe eines Spickzettels vor. In der Freizeit werkelt sie im Garten, liest und spielt Tennis. "Aber am liebsten bin ich mit meinen sieben Enkeln zusammen", verrät Thönißen, die ihrem Urlaubsort Menzenschwand im Schwarzwald, seit sechzig Jahren die Treue hält.

(NGZ)
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