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Kaarst: "Die CDU steht zur Ikea-Umsiedlung"

Kaarst : "Die CDU steht zur Ikea-Umsiedlung"

Mit mehr als 94 Prozent der Stimmen wurde Lars Christoph als CDU-Stadtverbandsvorsitzender im Amt bestätigt. Mit der NGZ spricht er über getroffene und noch zu treffende Entscheidungen, Fraktionsdisziplin und den persönlichen Umgang innerhalb der Partei miteinander.

Herr Christoph, als es bei der Mitgliederversammlung der CDU Kaarst darum ging, vor der Neuwahl des Stadtverbandsvorstandes Bericht zu erstatten, haben Sie bewusst auf Lobeshymnen und Weichzeichner, die Arbeit innerhalb der Partei betreffend, verzichtet und stattdessen Klartext geredet. Das war ein Risiko. Warum sind Sie es eingegangen?

Lars Christoph Mir war bewusst, dass ich für die offenen Worte nicht nur Beifall ernten würde. Darauf kam es mir aber auch nicht an. Harte Diskussionen um den besten Weg in der Sache sind wichtig und notwendig. Sie haben bei uns Tradition und sollen auch in der Zukunft fortgesetzt werden.

Sie haben also Punkte angesprochen, die Ihnen in der Vergangenheit nicht gefallen haben — zum Beispiel der persönliche Umgang innerhalb der Partei miteinander...

Christoph Das ist richtig. Abseits von notwendigen inhaltlichen Diskussionen war der persönliche Umgang in den vergangenen Monaten oft nicht so, wie ich ihn mir wünschen würde. Alle Beteiligten — in der Fraktion, in der Partei, der Bürgermeister — sind in diesem Punkt aufgerufen, den ihnen möglichen Beitrag zu leisten, dass das Mannschaftsspiel insgesamt wieder verbessert wird.

Das Wahlergebnis scheint Ihnen Recht zu geben: Sie wurden mit mehr als 94 Prozent im Amt bestätigt. Heißt das, dass die CDU eine — sagen wir mal — "strengere" Führung will und braucht?

Christoph Es ist klar, dass man als Vorsitzender nicht nur moderieren kann, sondern auch mal führen muss. Das sehen die Mitglieder offenbar ähnlich. Mir war es wichtig im Vorfeld meiner Wahl klarzumachen, welchen Kurs ich gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen gehen möchte. Das klare Wahlergebnis verstehe ich als Auftrag der Mitglieder, den aufgezeigten Weg jetzt auch konsequent zu beschreiten.

Vor zwei Wochen hat der Rat mit den Stimmen von CDU und FDP eine umstrittene Entscheidung zum dritten Grundschulstandort in Kaarst getroffen — pro Bussardstraße. Sie selbst gehören zu jenen ursprünglich neun Fraktionsmitgliedern, die den Stadtmittestandort favorisieren. Trotzdem wurde bis auf zwei Neinstimmen geschlossen abgestimmt. Hans Georg Schröder legte deshalb vorher sein Mandat nieder. Die Opposition wirft der CDU "Fraktionszwang" vor...

Christoph Es ist wichtig, dass die CDU ihre Mehrheitsbeschlüsse auch im Rat durchsetzen kann. Das erwarten nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch die Bürger. Denn wenn man als Kommunalpolitiker ehrlich ist, muss man sich eingestehen, dass man nicht in erster Linie gewählt wurde, weil auf dem Stimmzettel Lars Christoph stand, sondern weil hinter dem Namen noch CDU vermerkt war. Es ist klar, dass es die Opposition freuen würde, wenn wir unsere Geschlossenheit aufgäben. Diesen Gefallen werden wir ihr aber sicher nicht tun!

Ist die Grundschulstandortfrage für die CDU damit jetzt abgeschlossen?

Christoph Die Politik hat nach langer und intensiver Diskussion eine Entscheidung getroffen. Der Ball liegt damit jetzt im Spielfeld derer, die mit der Ratsentscheidung nicht einverstanden sind. Sollte es den Initiatoren des angekündigten Bürgerbegehrens gelingen, die notwendigen Unterschriften gegen die Ratsentscheidung zusammenzubekommen, wäre der Ball wieder im Spielfeld der Politik. Ich habe angekündigt, dass in einer solchen Situation der Parteivorstand sehr intensiv darüber beraten würde, ob er der Fraktion empfiehlt, einen Bürgerentscheid durchzuführen oder dem Begehren stattzugeben.

Zu den weiterführenden Schulen: Die Hauptschule hat Probleme. Ein stabiles zweigliedriges Schulsystem gibt es bislang nicht. Wie sieht die Lösung für Kaarst aus Sicht der CDU aus?

Christoph Wir können uns gut eine Gemeinschaftsschule als Angebot für die — auch eher praktisch orientierten — Schüler vorstellen, die nicht auf das Gymnasium gehen wollen. Eine Gemeinschaftsschule könnte so ausgestaltet werden, dass sie keine eigene Oberstufe hat, sondern mit einem bestehenden Gymnasium kooperiert. So ein Modell würde eine Stärkung und nicht — wie die von der SPD bevorzugte Gesamtschule — eine Zerschlagung der bestehenden Kaarster Schullandschaft zur Folge haben. Es wäre gut, wenn eine breite Mehrheit im Rat diesen Ansatz unterstützt.

Auch ein wichtiges Thema: Hüngert. Im Klartext: Wie steht die CDU zur Umsiedlung von Ikea?

Christoph Noch offenen Fragen, etwa im Bereich Verkehr, müssen gründlich geprüft werden. Aber nicht als Verzögerungstaktik, wie es die Grünen machen, die sich vom Ikea-Projekt verabschiedet haben. Als CDU stehen wir zur Ikea-Umsiedlung. Die berechtigten Belange der Bevölkerung werden wir im weiteren Verfahren berücksichtigen.

Julia Hagenacker führte das Gespräch.

(NGZ)