Kaarst: Der Streit um mehr Starts und Landungen am Flughafen

Kaarst : Der Streit um mehr Starts und Landungen am Flughafen

Der Flughafen strebt eine neue Betriebsgenehmigung an. Das sind die nächsten Schritte.

Der Plan des Düsseldorfer Flughafens, mehr Starts und Landungen zu ermöglichen, klingt wesentlich einfacher, als er ist. Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Wenn es dazu kommt, werden sicherlich noch mehrere Jahre bis dorthin verstreichen. Wir nennen die einzelnen Akteure sagen, wie es weiter geht.

Was ist heute erlaubt?

Nach der derzeitigen Genehmigung dürfen in der Hälfte der wöchentlichen Betriebszeit, 56 Wochenstunden, zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends auf beiden Start- und Landebahnen bis zu 45 Flugbewegungen stattfinden. In den übrigen 56 Wochenstunden dürfen 43 Bewegungen ausschließlich auf der Hauptbahn abgewickelt werden.

Was will der Flughafen?

Der Flughafen Düsseldorf will beantragen, dass in den Spitzenstunden des Tages künftig 60 Flugbewegungen pro Stunde stattfinden. Die Spitzenstunden des Tages liegen laut Flughafen zwischen 7 und 8, 10 und 12, 13 und 14 sowie 17 und 20 Uhr.

Wer befürwortet den Ausbau?

Die Wirtschaft der Region, namentlich die Industrie- und Handelskammer, haben sich mehrfach und lautstark für die Pläne des Flughafens ausgesprochen. Sie sehen darin einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Viele Unternehmen sind laut IHK vor allem wegen des Airports in der Region Düsseldorf angesiedelt. Die Stadt Düsseldorf als Haupteigentümer des Flughafens ist ebenfalls für mehr Starts. In der so genannten Fluglärmkommission, in dem Anliegergemeinden, Airlines, Flughafenverwaltung und Bürgerinitiativen sitzen, haben sich die Düsseldorfer Vertreter für die neue Genehmigung ausgesprochen.

Wer ist gegen die Ausweitung derZahl von Starts und Landungen?

Wortführer der Ablehnenden ist die Initiative Bürger gegen Fluglärm. Dort sind nach eigenen Angaben 5000 Menschen aus Düsseldorf und dem Umland organisiert. Die Stimme des Vereins ist der Meerbuscher Christoph Lange. Auch die meisten Bürgermeister der Umlandgemeinden, die in der Flughafenkommission vertreten sind, haben sich gegen die neue Betriebsgenehmigung mit mehr Flügen ausgesprochen.

Würde es mehr Nachtflüge geben?

Da widersprechen sich Flughafen und Lärmgegner. Der Airport erwartet einen Rückgang der Flüge zu späten Stunden, da der Verkehr durch mehr Starts und Landungen am Tage entzerrt werde. Die Fluglärmgegner bestreiten dies und stelen die Notwendigkeit von mehr Flügen infrage. Sie verweisen darauf, dass die Zahl der Flüge in den vergangenen Jahren trotz höherem Passagieraufkommen dank größerer Jets gesunken ist.

Wie geht das Genehmigungsverfahren jetzt weiter?

Start des offiziellen Verfahrens ist der Zeitpunkt, zu dem der Flughafen beim NRW-Verkehrsministerium einen "Antrag auf Planfeststellung" einreicht. Zurzeit ist geplant, den Antrag im Juni einzureichen. Der Minister prüft die Vollständigkeit der Unterlagen. Dann gehen diese über die Bezirksregierung an Behörden, die dann eine Stellungnahme abgeben. Unter anderem werden die Einschätzungen der Naturschutzbehörde, von Wasserschutz und vor allem aller anliegenden Städte, Gemeinden und Kreise abgefragt. Die Ämter haben für ihre Stellungnahmen drei Monate Zeit.

Werden die Anwohner von der Behörde informiert?

Die Bezirksregierung muss die Anträge zusammen mit allen Plänen und Gutachten einen Monat lang zur Einsicht auslegen, in der Regel geschieht dies durch Veröffentlichungen im Bundesanzeiger oder in Tageszeitungen

Wer trifft die Entscheidung?

Nach Abschluss des Anhörungsverfahrens gehen alle Unterlagen zurück zum Verkehrsministerium. Dort wird geprüft, ob alle Vorschriften eingehalten wurden. Dann fällt das Ministerium die Entscheidung zur Kapazitätserweiterung. Der Planfeststellungsbeschluss wird zwei Wochen lang ausgelegt. Das Planfeststellungsverfahren kann mehrere Monate oder auch mehrere Jahre dauern. Mehrere Jahre sind aber wahrscheinlicher.

(NGZ)
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