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Kaarst: Der neue SPD-Chef

Kaarst : Der neue SPD-Chef

Mit 97 Prozent der Stimmen ist Kocay Ekici von den Genossen zum Nachfolger von Erwin Popien gewählt worden. Der Generationswechsel war geplant. Der 35-Jährige will Denk- und Arbeitsweisen grundlegend verändern.

Für Kocay Ekici ist noch vieles neu. Die Kaffeemaschine in der Geschäftsstelle an der Grünstraße zum Beispiel, die hat er noch nicht richtig im Griff. Angesichts der politischen Ziele, die sich der 35-Jährige gesetzt hat, dürfte das Problem mit der Technik aber auch eine der kleineren Herausforderungen sein. Ekici will nämlich viel: die SPD in Kaarst nach vorne bringen, sie modernisieren, ihr eine frische, junge Identität geben – und das nicht nur mit dem eigenen Gesicht.

Seit knapp zwei Wochen ist der Unternehmensberater neuer Parteivorsitzender der Kaarster Sozialdemokraten. Mit 97 Prozent der Stimmen wurde er von den Genossen zum Nachfolger von Erwin Popien gewählt. Letzterer trat von vornherein nicht mehr zur Wahl an. Der Generationswechsel war also geplant. Jetzt muss sich zeigen, ob er auch funktioniert. Einen SPD-internen Workshop zur Stärken- und Schwächenanalyse gab es bereits. "Wir haben in den vergangenen Jahren stetig Wählerstimmen verloren", sagt Ekici. "Das hat seine Gründe. Jetzt wollen wir gemeinsam neue Wege gehen."

Vieles anders machen, die Partei neu positionieren, Denk- und Arbeitsweisen grundlegend verändern – Kocay Ekici will das wirklich anpacken. Strategisches Denken und eine moderne Öffentlichkeitsarbeit, sagt er, sollen bei der SPD, neben klassischen sozialdemokratischen Inhalten, in Zukunft an erster Stelle stehen. Und: "Eine konstruktive Streitkultur hat noch niemandem geschadet."

Politisch gesehen war der 35-Jährige bislang als sachkundiger Bürger im Rat und als Mitglied des Arbeitskreises "Schule" aktiv. Der Parteivorsitz eines rund 160 Mitglieder starken Stadtverbandes ist ein anderes Kaliber. Dass man, wenn man ganz alleine dasteht, damit auch scheitern kann, weiß Ekici, und das sagt er auch: "Ich bin froh, dass wir ein Vorstandsteam haben, in dem die Mischung aus Erfahrung und Idealismus stimmt."

Ekicis Glaubwürdigkeit resultiert auf jeden Fall auch ein bisschen aus der eigenen Geschichte. Der Vater war als Gastarbeiter in Neuss bei Alunorf beschäftigt, die Mutter Hausfrau. Einen Großteil seiner Kindheit hat der heute 35-Jährige damals in Erfttal verbracht, einem Stadtteil mit hohem Ausländeranteil. "Klar hatte ich Orientierungsschwierigkeiten", sagt Ekici. "Die Grenzen zwischen ,die Zukunft in die Hand nehmen' und Abrutschen waren fließend." Am Ende hat er aber die Kurve gekriegt: Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Wirtschaftswissenschaftsstudium, Manager und Unternehmensberater, Familienvater – mehr ging eigentlich nicht. "Und jetzt Parteichef." Das, sagt der 35-Jährige, der seit rund zehn Jahren in Kaarst lebt, in seiner Freizeit selten nichts tut und nach eigener Aussage gerne Fußball, Tennis oder Volleyball spielt, sei für ihn schon eine große Herausforderung. Von der Kaffeemaschine jetzt mal abgesehen.

(NGZ)