Der Kaarster Autor Wingolf Scherer feiert am 26. Mai seinen 95. Geburtstag

Kaarster Autor wird 95 : Wingolf Scherer blickt in die Zukunft

Der Kaarster Autor Wingolf Scherer feiert am Sonntag seinen 95. Geburtstag. 18 Bücher hat er seit seiner Pensionierung geschrieben. Möglicherweise wird noch ein 19. Exemplar folgen.

Wingolf Scherer kann auf eine ereignisreiche Zeit zurückblicken. 95 Jahre wird der Senior am Sonntag alt. Aber trotz des hohen Alters richtet er den Blick in die Zukunft. 18 Bücher hat er seit seiner Pensionierung geschrieben. Möglicherweise wird noch ein 19. Exemplar folgen. Er gehört mittlerweile zu den wenigen verbliebenen Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Dieser Krieg ist das große Thema seiner Bücher, das große Ganze wird dort immer wieder heruntergebrochen auf ganz konkrete Personen und Schicksale.

Scherer veröffentlicht bei Helios, dem größten militärgeschichtlichen Verlag Europas. Worüber sich der Altersjubilar freut, aber auch wundert: „Bei mir rufen immer wieder junge Leute an, die mich als Zeitzeugen befragen. Sie möchten sich nicht auf die Medien verlassen.“ An einer Sendung der vielbeachteten History-Reihe von Guido Knopp hat Scherer mitgearbeitet. „Knopp hatte eine sehr eigene Auffassung von der Art und Weise, wie die Dinge dargestellt werden sollen“, erklärt Scherer, der sich anschließend lieber wieder seinen Büchern gewidmet hat. Jüngst war er beim WDR. Es ging um die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Scherer, der in Köln und Bonn studiert hat und in Bonn promoviert wurde, unterrichtete zunächst an Gymnasien in Essen, Oberhausen und Bottrop. Als er in Düsseldorf eine Stelle als Oberschulrat annahm, zog er mit seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau und den beiden Söhnen nach Kaarst. „Ich war in dieser Position auch Leiter von Prüfungsämtern“, erzählt er. Er hatte unter anderem mit Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie zu tun, die sich für den Schuldienst entschieden hatten. Öfter hatte er mit Joseph Beuys zu tun gehabt, den er so beschreibt: „Er war ein selbstbewusster Künstler, der die Studenten für seine Vorstellungen begeistern konnte.“

Scherer fing nach dem Eintritt in den Ruhestand nicht nur an zu schreiben, er ging auch in die Politik, war von 1984 bis 1989 für die FDP im Kaarster Stadtrat. „Ich habe das gemacht, weil ich mich einer Familientradition verpflichtet fühlte“, verrät Wingolf Scherer. Sein Vater, sein Großvater und zwei Onkel waren Ratsmitglieder. Und sein Urgroßvater war sogar an der März-Revolution 1948 in Berlin beteiligt gewesen. Als Erfolge in seiner Zeit als Ratsherr wertet er die Tatsache, dass die Friedhofskapelle unter Denkmalschutz gestellt wurde – und den Bau des neuen Rathauses, für den er sich vehement eingesetzt hatte.

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