1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Der diskrete Begleiter

Kaarst : Der diskrete Begleiter

Michael Weller ist Vorarbeiter auf den Friedhöfen in Büttgen und Vorst: Er hilft, die Grabstätte auszuwählen, trägt die Urne und sorgt dafür, dass während der Beisetzung alles funktioniert – unauffällig aus dem Hintergrund.

Michael Weller ist Vorarbeiter auf den Friedhöfen in Büttgen und Vorst: Er hilft, die Grabstätte auszuwählen, trägt die Urne und sorgt dafür, dass während der Beisetzung alles funktioniert — unauffällig aus dem Hintergrund.

Jede Beisetzung ist eine Herausforderung. Nichts darf schiefgehen, nichts passieren, was das Ritual des Abschiednehmens unterbricht oder stört. Dafür trägt Michael Weller die Verantwortung.

Bei einer Urnenbestattung hält er das Gefäß mit der Asche — mit beiden Händen ganz fest vor der Brust. Er begleitet den Trauerzug bis zur Grabstätte. Er kontrolliert die Sargträger, reicht dem Pastor die Schüppe und macht sich ansonsten fast unsichtbar.

Michael Weller ist 30 Jahre alt, ausgebildeter Landschaftsgärtner und seit drei Jahren Vorarbeiter auf den Friedhöfen in Büttgen und Vorst. Wie man angemessen mit dem Tod fremder Menschen umgeht, wie man da ist und doch im Hintergrund bleibt, hat er lernen müssen. "Für die Trauernden", sagt er, "verkörpert man in diesem Moment die reelle Person."

Diejenige, die das Organisatorische regelt, die vorher mit den Angehörigen die Grabstätte aussucht und bei der Beerdigung dafür sorgt, dass in der Kapelle das Licht funktioniert. Vielen gibt Michael Weller dadurch auch Halt. Seit 13 Jahren ist er schon bei der Stadt beschäftigt.

Nach der Ausbildung begann er seine berufliche Laufbahn beim Baubetriebshof. Ein Jahr später fragte ihn der Chef, ob er sich die Arbeit auf dem Friedhof vorstellen kann. In Kaarst wurde er ein Jahr lang für den Dienst rund um die Beerdigung geschult. Weller sagt: "Es gibt nur wenig andere Jobs, die so vielfältig sind."

An "normalen" Arbeitstagen trägt der Vorarbeiter eine grüne Gärtnerlatzhose, wenn Beisetzungen anstehen, zieht er einen schwarzen Anzug mit Hemd und Krawatte an. Etwa 120 Beerdigungen gibt es auf Wellers Friedhöfen pro Jahr — 80 in Büttgen und 40 in Vorst.

Der 30-Jährige kümmert sich nicht nur um deren Ablauf, sondern auch um die Grabpflege und -aufbereitung. "Der Anteil der Erdbestattungen", sagt Weller, "liegt mittlerweile bei rund 50 Prozent." Vor der Beerdigung muss das Grab ausgehoben und mit einem 2,30 mal einem Meter großen Aluminiumkasten verschalt werden. Dann wird die Stelle mit grünen Matten ausgelegt.

Die Kapelle auf dem Büttgener Friedhof besitzt auch drei Kühlräume. Wenn die Trauergäste es wünschen, können sie dort die Verstorbenen ein letztes Mal sehen. Michael Weller führt sie dann hin.

"Selbstverständlich kommt es vor, dass Angehörige mir ihre Geschichte erzählen", sagt er. "Vor allem dann, wenn junge Menschen gestorben sind. In unserem Job geht man auch mit Gefühl um. Das ist nicht immer leicht, aber das lernen wir." Der Respekt vor jedem Schicksal schärfe das Bewusstsein. Zum Beispiel dafür, dass jede Beisetzung eine Herausforderung ist.

(NGZ)