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Kaarst: Country-Musik spät entdeckt

Kaarst : Country-Musik spät entdeckt

In den Kategorien "Sängerin des Jahres" und "Song des Jahres" wurde die in Büttgen aufgewachsene Jolina Carl beim diesjährigen Deutschen Countrypreis in Berlin ausgezeichnet. Heute lebt sie in der Nähe von Köln.

Mit elf Jahren bekam Jolina Carl ihre erste Gitarre geschenkt. Damals hieß sie noch Marion Fryges, war gerade von der Grundschule Lichtenvoorder Straße in Büttgen auf das Georg-Büchner-Gymnasium in Kaarst gewechselt. Sie brachte sich das Spielen, wie sie selber sagt, "nur mit einem Lehrbuch autodidaktisch" bei. Schnell bemerkte sie jedoch, dass ihre Stärke nicht im Gitarrespielen, sondern im Gesang liegt.

Also meldete sie sich in einem Chor an. Ihren größten Wunsch hatte sie schon damals klar formuliert: das Hobby zum Beruf machen. Doch auf Anraten ihres Vaters begann sie nach ihrem Abitur am ehemaligen Schwann-Gymnasium in Neuss zunächst eine Lehre zur Industriekauffrau bei einer Düsseldorfer Maschinenfabrik. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann kennen und wurde zweifache Mutter.

Den Gesang verlor sie trotzdem nie komplett aus den Augen. Sie trat weiterhin mit Hobby-Bands bei kleineren Veranstaltungen auf. Dort wurde sie auch das erste Mal mit dem Thema "Country-Musik" konfrontiert. Die Künstlerin sagt selber, dass sie in dieses Genre "reingezwungen" wurde, und macht auch keinen Hehl daraus, dass sie anfangs eher negativ negativ über Country-Musik dachte. Grund dafür sei, dass sie im Jahr 2003 immer wieder von Mitgliedern einer Line-Dance-Gruppe auf ihre perfekte "Country-Stimme" angesprochen wurde. "Ich empfand es erstmal als eine Beleidigung, da ich den Country als amerikanischen Schlager ansah und ich in meiner eigenen Wahrnehmung alles andere als eine Schlagersängerin war", sagt sie heute und lacht über ihre damalige Denkweise.

Sie speiste die Anfragen immer wieder ab, aber irgendwann konnte sie nicht mehr Nein sagen. Sie trat mit der Gruppe bei einer Country-Veranstaltung auf und war beeindruckt vom ganzen Drumherum – so hatte sie Cowboys bisher nur im Karneval gesehen. Trotzdem wurden ihre Vorurteile keineswegs bestätigt, und sie fühlte sich prompt wohl in der ungewohnten Umgebung. Ab diesem Zeitpunkt knüpfte die Sängerin auch immer mehr Kontakte in der Szene.

Als Schlüsselerlebnis ihrer Karriere bezeichnet die heute 41-Jährige ihren Auftritt auf der "International Country Music Messe" 2008, auf der die profilierte Produzentin Iris Peach ihr Talent erkannte und sie zur Aufnahme englisch- und deutschsprachiger Stücke bewegte. Seitdem trägt sie den Künstlernamen Jolina Carl. Wobei der Nachname eine Reverenz an den Vater ist.

Die jüngsten Auszeichnungen "Sängerin des Jahres" und "Song des Jahres" in Berlin zeugen von ihrem steigendem Erfolg. Selbst in Amerika, dem Geburtsland der Country-Musik, trat sie schon auf. Und ein neues Album ist in Arbeit.

(NGZ)