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Coronavirus in Kaarst: Nachbarschaftshilfe in Zeiten der Krise

Coronavirus in Kaarst : Nachbarschaftshilfe in Zeiten der Krise

Eine neue Facebook-Gruppe soll Kaarster dazu animieren, in dieser Krisenzeit ihren Nachbarn zu helfen. Seit Freitag haben sich mehr als 950 Mitglieder angemeldet. Lars Christoph regt derweil ein Testzentrum für Kaarst an.

Der Coronavirus zwingt Deutschland nach und nach in die Knie. In Kaarst hat sich eine neue Facebook-Gruppe formiert, um denjenigen zu helfen, die eigentlich gar nicht mehr vor die Tür gehen dürfen. Über 950 Mitglieder haben sich seit Freitag in der Gruppe „Kaarster Corona Nachbarschaftshilfe“ angemeldet – Tendenz steigend. Die stellvertretende Bürgermeisterin Uschi Baum gründete diese Gruppe, die „zum Wohle aller Kaarster“ sein soll. Hier sollen alle Informationen zum Coronavirus, die die Stadt Kaarst betreffen, gesammelt werden und vor allem Hilfe im Fall der Fälle angeboten werden. Den ersten Post setzte Uschi Baum am 13. März um 17.40 Uhr ab. „Nun stehen wir nach 2015 vor einer weiteren großen Herausforderung. Gemeinsam können wir uns gegenseitig helfen und mit Informationen versorgen. Es geht um eine Krise, die wir gemeinsam meistern müssen. Sehr wahrscheinlich sind hauptsächlich die Älteren und kranken Menschen betroffen. Wir sollten uns gegenseitig beim Einkaufen helfen. Nachbarn für Nachbarn. Junge für Alte. Für alle gilt möglichst wenig Kontakt aber auch da hilft mal Telefonieren oder Skypen, auch wenn man nur nebeneinander wohnt. Packen wir an“, schrieb sie. Alle Kaarster sollen für die Nachbarschaftshilfe sensibilisiert werden.

Das Coronavirus macht aus politischen Gegnern Verbündete. So hat CDU-Chef Lars Christoph Uschi Baum und ihrer Facebook-Initiative seine Unterstützung zugesichert. „In dieser Krise müssen wir über Parteigrenzen hinweg zusammenstehen“, erklärt Christoph, der noch in dieser Woche drei Vorschläge mit den Fraktionen und der Verwaltung diskutieren will. „Wir möchten anregen, dass die Verwaltung in Absprache mit den niedergelassenen Ärzten und dem Kreisgesundheitsamt die Voraussetzungen schafft, bei einer weiteren signifikanten Erhöhung der Fallzahlen auch in Kaarst eine Teststelle einzurichten“, so Christoph. Dies würde es verhindern, dass potentiell Infizierte zunächst nach Neuss fahren müssten, um dort getestet werden zu können. Mit einem weiteren Vorschlag nimmt die Union die wirtschaftliche Situation der örtlichen Betriebe in den Blick. „Etliche der hier ansässigen Unternehmen plagen massive Existenzängste. Insbesondere die Liquiditätslage wird zunehmend als bedrohlich angesehen, wenn die Krise weiter andauert. Wir müssen daher prüfen, welche Möglichkeiten wir als Kommune haben, hier flankierend zu den eingeleiteten Maßnahmen des Bundes und des Landes tätig zu werden“, sagt Christoph. Konkret wolle er die Verwaltung bitten, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Stundungsmöglichkeiten bei der Gewerbesteuer unbürokratisch größtmöglich ausgeschöpft werden kann. Der dritte Aspekt beschäftigt sich mit der Kinderbetreuung. „Vielfach wird die Frage gestellt, wie es sich mit den Kita-Beiträgen und den Beiträgen zur OGS verhält, wenn Kitas und Schulen jetzt geschlossen sind. Die Familien haben die Erwartung, dass sie hier eine Erstattung erhalten, insbesondere weil die jetzige Situation sie ohnehin bereits vor extreme Herausforderungen stellt. Diese Sichtweise muss zeitnah in den zuständigen Gremien beraten und bürgerfreundlich gelöst werden“, fordert Christoph.