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Coronakrise in Kaarst: Friseursalon von Franc Braun stockt Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent auf

Friseur Franc Braun aus Kaarst : Salon stockt Kurzarbeitergeld komplett auf

Endlich mal positive Nachrichten in der Corona-Krise: Der Friseursalon von Franc Braun hat das Kurzarbeitergeld seiner Mitarbeiter am Freitag auf 100 Prozent aufgestockt. Möglich macht das vor allem die Loyalität der Kunden.

Zehn Minuten, bevor das Telefongespräch mit Franc Braun beginnt, hat er seinen Mitarbeitern die wohl beste Nachricht in der Corona-Krise geschickt, die sie bekommen können. Der Friseurmeister, einer von fünf Geschäftsführern des Kaarster Friseursalons Braun, hat das Kurzarbeitergeld für seine rund 40 Mitarbeiter für den Monat April auf 100 Prozent aufgestockt. „Die Freude bei den Mitarbeitern war natürlich gigantisch“, sagt der Unternehmer. Endlich eine positive Nachricht in der schlimmen Krise, in der so viele Unternehmen um ihre Existenz fürchten müssen.

Franc Braun schneidet seinen Kunden nicht nur die Haare, sondern gibt auch Motivationsseminare für andere Unternehmen. Foto: Schwalenberg-Fotografie

Doch wie kommt es dazu, dass Braun seinen Mitarbeitern quasi das volle Gehalt zahlen kann, obwohl sie seit dem 23. März nicht mehr arbeiten dürfen, weil an diesem Tag alle Friseursalons schließen mussten? „Unser Unternehmen ist schuldenfrei, obwohl wir im vergangenen Jahr viel in den Salon investiert haben“, sagt Braun. Der überregional bekannte Friseurmeister hat seit seiner Übernahme des Unternehmens, das seine Eltern in Düsseldorf 1954 gegründet hatten, im Jahr 1990 Geld zur Seite gelegt und nicht Spitz auf Knopf gelebt, wie er sagt. „Ein Unternehmen muss immer zwei bis drei Monate locker ohne Einnahmen auskommen, damit die Löhne bezahlt werden können. Das wird heute nicht mehr gemacht, es wird alles auf Naht gestrickt, und beim ersten Gegenwind knicken viele dann um“, sagt er. Diese Sparsamkeit habe er von seinen Eltern gelernt, und nun zahlt sie sich aus.

Im Januar haben seine Mitarbeiter sogar noch ihre Jahresboni erhalten. Auf ihre eigene Ausschüttung, die es eigentlich im März gegeben hätte, verzichten die Geschäftsführer zugunsten der Mitarbeiter. Und das machen sie gerne. „Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut“, sagt Braun – und das sind nicht nur leere Worte. Täglich stehen die Geschäftsführer in Kontakt zu ihren Friseuen, Auszubildenden und Rezeptionisten. Interne Kommunikation wird in der Krise groß geschrieben – und unterscheidet Brauns Meinung nach erfolgreiche von weniger erfolgreichen Unternehmen. „Loyalität geht immer in beide Richtungen: Vom Unternehmen zum Mitarbeiter und andersrum“, sagt er. Gehälter sind eine Art Werschätzung für die Mitarbeiter, deshalb stockt Franc Braun das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent auf – und nimmt damit in Kaarst und sogar auch in NRW eine Vorreiterrolle ein

In einem „Webinar“ mit L’Oreal ließ Franc Braun in der vergangenen Woche Friseurkollegen an seinen Erfahrungen teilhaben – und gab ihnen Tipps, wie sie die Krise überstehen können – auch wenn die Voraussetzungen in den einzelnen Salons natürlich unterschiedlich sind. Die ersten Maßnahmen, die Braun getroffen hat, waren Einzelgespräche mit jedem einzelnen Mitarbeiter, Überprüfung und Minimierung der monatlichen Fixkosten, Kündigung von Daueraufträgen – alles, was die Liquidität des Unternehmens sicherstellt. Oberste Priorität hat allerdings die Gesundheit seiner Mitarbeiter. „Ohne Gesundheit keine Wirtschaft“, sagt Braun, der mit seinem Unternehmen „BraunCoaching“ Schulungen im Bereich Motivation, Salonorganisation und Lohnsysteme anbietet. Gemeinsam mit seinem Team hat er ein Motto für die Krise entworfen: „In der Krise ist vor dem Boom, freut euch drauf.“ Braun sieht die Krise also auch als große Chance. „Wir rücken als Team enger zusammen“, sagt er. Durch Newsletter an seine Kunden wird die Bindung zum Unternehmen gestärkt. Mit einem eingeführten Gutschein-System hat er bislang viel Umsatz gemacht, auch wenn der Salon geschlossen ist. „Das zeigt die Loyalität der Kunden zu unserem Unternehmen“, sagt der 54-Jährige. Viele Kunden rufen an und fragen, ob nicht jemand zu ihnen nach Hause kommen kann. „Das geht natürlich nicht, das ist verboten“, sagt er. In der Krise lernen viele Menschen den Beruf des Friseurs zu schätzen. „Viele Bürger merken jetzt, wie schlimm es ist, keinen Friseur zu haben“, sagt Braun.

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