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Corona-Warn-App spaltet die Kaarster

Pandemie : Corona-Warn-App spaltet die Kaarster

Die einen halten sie für sinnvoll und nutzen sie, die anderen haben Angst vor Datenmissbrauch. Bei einer Umfrage auf dem Kaarster Wochenmarkt waren die Meinungen zur Warn-App unterschiedlich.

Ein ganz normaler Samstagvormittag in Corona-Zeiten auf dem Kaarster Wochenmarkt: Mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattete Menschen erledigen ihre Einkäufe, halten an den Ständen und beim Gespräch miteinander den gebotenen Abstand. Und wer hat die Corona-App heruntergeladen, die als unsichtbarer Gast alle Kontakte registriert? Da ergibt sich nach zahlreichen Befragungen ein interessantes Bild: Die App spaltet die Kaarster – Befürworter und Gegner halten sich die Waage, verteidigen zum Teil vehement ihre Position.

Christa (64) und Peter (72) Arndt haben sich die App sofort heruntergeladen, als ihre Tochter den Link schickte: „Wir haben das im Interesse aller gemacht, um uns selbst und andere zu schützen“, erklären sie. Jeden Tag kontrollieren sie ihre Handys – bis jetzt gibt es keine Risikobegegnungen. Zudem befolgen sie alle Abstands- und Hygieneregeln: „Eben alles, war unserer Gesundheit dient“, so das Ehepaar. Stella Lueneberg, eine 22-jährige Studentin, hält die App ebenfalls für „sinnvoll“:“ Ich habe sie vor allem heruntergeladen, um Menschen zu helfen, die gefährdet sind“, sagt sie. Außerdem sei die App durch Steuergelder finanziert. Sorgen wegen mangelnden Datenschutzes habe sie nicht. Auch bei ihr ist „alles im grünen Bereich“.

Marcel Weifels (33) genießt entspannt eine Tasse Kaffee und hat eine ganz klare Meinung: „Für mich war es selbstverständlich, die App zu installieren. Ich will damit einen Beitrag zur Unterdrückung des Virus leisten. Falls ich eine Warnung bekomme, würde ich mich sofort selbst aus dem Verkehr ziehen, um andere zu schützen!“ Auch Werner Kindsmüller, Vorsitzender der Initiative „Kaarster gegen Fluglärm“, nutzt die App seit ihrem Erscheinen: „Sie schützt jeden Einzelnen, aber es müssen alle mitmachen, sonst funktioniert das Ganze nicht. Viele haben den Sinn noch nicht verstanden“, meint er. Eine Frau, die ungenannt bleiben möchte, hält die App für ein weiteres „gutes Instrument“ zusätzlich zu allen anderen im Kampf gegen Corona: „Der Nutzen ist viel größer als die Gefahren“, findet sie und hält das Ganze für eine gute Maßnahme einer einfacheren Rückverfolgung bei einem positiven Test.

Die Gegner der App sind aber genauso überzeugt. Sie äußern sich allerdings nur anonym. Bei drei Senioren über 70 und 80 Jahre scheitert die Installation an einem veralteten Handy: „Bei einem nagelneuen würde ich es machen“, gibt eine Dame zu. Ein anderer Herr befürchtet einen Datenmissbrauch durch die „Gestapo“ – womit er alle Menschen unfreundlicher Gesinnung meint. Eine andere Dame (39) interessiert die App „null Prozent“. Was passiere, passiere sowieso und sie passe lieber einfach immer auf.

Zwei Markthändler, 21 und 27 Jahre alt, nutzen die App ebenfalls nicht: Dabei spielen Datenschutzgründe die Hauptrolle. Es reiche schon, beim Kneipenbesuch Daten hinterlegen zu müssen. In der Hausarztpraxis von Klaus Reimert hat sich noch kein Patient vorgestellt, dem die App eine Risikobegegnung gemeldet hat:„In diesem Fall würden wir sofort eine Überweisung an das zuständige Gesundheitsamt ausstellen, das dann einen kostenlosen Test durchführt“, informiert die medizinische Fachangestellte Barbara Büssow.

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