Kaarster Künstler betroffen Freiberufler fürchten um ihre Existenz

Kaarst · Künstler, Musiker, Schauspieler, Dozenten, Moderatoren, Autoren, Sprecher – ihnen allen brechen aufgrund von Corona die Aufträge weg. Sie sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Unsere Autorin hat mit betroffenen Kaarstern gesprochen.

 Harry Flint ist Moderator, Referent, Video-Produzent und Reporter. Zum Glück ist er breit aufgestellt, ihn plagen noch keine Existenzängste.

Harry Flint ist Moderator, Referent, Video-Produzent und Reporter. Zum Glück ist er breit aufgestellt, ihn plagen noch keine Existenzängste.

Foto: Jochen Rolfes

Ralph Herrnkind, Musiker Die Absage seiner Tournee bedeutet einen Verlust von über 10.000 Euro. „Jetzt bricht alles weg“, sagt Ralph Herrnkind, den der Kaarster Mark Koll von der gleichnamigen Musikschule als „einen der besten Gitarristen, den ich kenne“ schätzt. Herrnkinds Frau arbeitet als Honorarkraft für die Musikschule, auch ihre Aufträge sind ersatzlos gestrichen. Jetzt muss das Paar mit seinen beiden Töchtern – eine im Abitur, die andere im Studium – mit den Reserven klarkommen. „Ich weiß nicht, wie lange wir das schaffen können.“ Herrnkind hofft, dass die Politik auch alle Freiberufler im Blick behält. „Uns nützen keine Kredite.“ Wem jetzt die Aufträge wegbrechen, der wolle sich doch nicht noch zusätzlich mit Krediten belasten.

Susa Weber, Schauspielerin Ihre Schauspielkurse sind gestrichen, das Dinner-Theater in Mönchengladbach fällt aus, die Probentermine in der Alten Post in Neuss sind bis 19. April nicht möglich und damit wackelt auch der Premierentermin der Komödie „Toc Toc“ Ende Mai. In den letzten Tagen trudelten lauter Absagen bei Susa Weber ein. „Mir wird allmählich bewusst, wie ruinös das ist. Das Ausmaß ist verheerend“, sagt Susa Weber. Dass die Teilnehmer des Schauspielkurses auf eine Rückerstattung ihrer Beiträge verzichten, freut Susa Weber schon, ist aber nur ein kleiner Lichtblick. „Es mag ja sein, dass viele Termine nachgeholt werden können“, so Weber. „Doch das sichert aktuell nicht die Existenz. Ich habe das Glück, dass mein Mann Kantor der evangelischen Kirchengemeinde ist. So bin ich abgesichert.“ Andernfalls wäre es eine Katastrophe.

 Miriam Petzold ist Musikerin. Sie ist vor zehn Jahren in den Schuldienst eingetreten und macht sich keine Sorgen um die Zukunft.

Miriam Petzold ist Musikerin. Sie ist vor zehn Jahren in den Schuldienst eingetreten und macht sich keine Sorgen um die Zukunft.

Foto: Kathrin Menke

Miriam Petzold, Sängerin Noch am Sonnabend hatte sie einen Auftritt in Baden-Württemberg. Ihre fünfköpfige Band, die auf Folk spezialisiert ist, spielte für eine kleine Gesellschaft. „Danach war klar, dass dies vorerst die letzte Veranstaltung war“, so die 48-Jährige. Seitdem trudeln permanent Absagen ein. Konzerte in der Schweiz, Auftritte in Kassel und Baden-Württemberg – alles gecancelt. „Ich glaube kaum, dass wir eine Chance haben, Ausfallhonorare zu erhalten“, so Petzold. „Wenn wir anfangen, mit den Veranstaltern zu streiten, werden diese uns in der Zukunft wohl nicht wieder buchen“, befürchtet sie. Um ihre eigene Existenz mache sie sich kaum Sorgen. „Ich bin heilfroh, dass ich vor zehn Jahren in den Schuldienst gegangen bin.“ Auf einer halben Stelle arbeitet sie seitdem als Gymnasiallehrerin. Wenn die Corona-Krise andauern sollte, „muss ich zwar auch rechnen, Miete und Essen sind aber sicher“, sagt sie.

 Der Mann von Susa Weber ist Kantor in der evangelischen Kirche. Deshalb macht sich die Schauspielerin keine großen Sorgen.

Der Mann von Susa Weber ist Kantor in der evangelischen Kirche. Deshalb macht sich die Schauspielerin keine großen Sorgen.

Foto: Hanne Brandt
 Ralph Herrnkind ist freiberuflicher Musiker und hat unter der Corona-Krise zu leiden.

Ralph Herrnkind ist freiberuflicher Musiker und hat unter der Corona-Krise zu leiden.

Foto: Herrnkind

Harry Flint, Moderator Allein am Dienstag gingen drei Absagen bei dem Kaarster Unternehmer ein. „Namhafte internationale Firmen aus dem Industrie-Sektor, für dich ich moderieren sollte, haben storniert“, erzählt Flint. „Die Veranstaltungen wurden nicht verlegt, sondern komplett abgesagt.“ Auf den Fixkosten bleibe er sitzen. „Keine Events, kein Umsatz“, bringt er auf den Punkt. Existenzsorgen plagen ihn bislang nicht. „Ich bin breit aufgestellt. Jetzt müssen Kunden zunehmend digital kommunizieren.“ Ob E-Learning, Online-Streaming oder andere digitale Produkte – dafür gibt es Anfragen. „Solange ich nicht persönlich in Quarantäne muss, zeichnet sich für mich noch kein Shut-Down ab.“ Was Flint aber ärgert: „Seit Jahren kritisiere ich die Versicherungsfreiheit für Unternehmer.“ Spätestens nach der Krise müsse ein Umdenken erfolgen.

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