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Kaarst: CDU-Chef boxt neuen Vorstand durch

Kaarst : CDU-Chef boxt neuen Vorstand durch

Mit nur noch 75 Prozent der Stimmen wurde Stadtverbandschef Lars Christoph von den Parteimitgliedern im Amt bestätigt. Der Stimmenverlust war einem Umbau des Führungsteams geschuldet und – einkalkuliert.

Mit nur noch 75 Prozent der Stimmen wurde Stadtverbandschef Lars Christoph von den Parteimitgliedern im Amt bestätigt. Der Stimmenverlust war einem Umbau des Führungsteams geschuldet und — einkalkuliert.

Die Blümchen, die Uschi Baum als Dankeschön für ihre geleistete Arbeit im Vorstand des Stadtverbandes überreicht werden sollten, welken am Montag in einer Ecke des Realschulforums Halestraße vor sich hin. Zur Mitgliederversammlung mit turnusgemäßer Neuwahl der Parteispitze war die zu Beginn des Abends noch amtierende Geschäftsführerin der Kaarster CDU gar nicht erst erschienen — wohl wissend, dass sie nicht noch einmal zur Wahl antreten würde und dass, selbst wenn sie es täte, die Kandidatur am Ende wahrscheinlich nicht erfolgreich wäre.

Die Zusammenarbeit zwischen Baum und dem übrigen Vorstand sei in den vergangenen anderthalb Jahren, seit der parteiintern umstrittenen Entscheidung zum Grundschulstandort Stakerseite, nicht mehr harmonisch gewesen, hatte Stadtverbandschef Lars Christoph, der mit 75 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt wurde, später, auf mehrfache drängende Nachfrage aus der Versammlung erklärt. Nicht alle Mitglieder fanden die "Entmachtung" Baums fair und sagten das auch. Matthias Kluth, stellvertretender Bürgermeister und Ratsmitglied, forderte Gründe. "Wir haben uns in der Vergangenheit nicht mehr hinreichend unterstützt gefühlt", argumentierte Christoph. Der Vorstand habe die Kandidatenlage daraufhin beraten und sei zu dem Ergebnis gekommen, die Kandidatur von Nadine Graber — 31 Jahre alt, Gesamtschullehrerin in Neuss und seit Dezember vergangenen Jahres auch Geschäftsführerin der Jungen Union Kaarst — zu unterstützen. "Wir halten Nadine Graber für kompetent, engagiert und teamfähig", so Christoph. Weitere Details zum Zerwürfnis mit Uschi Baum gehörten nicht an diese Stelle.

In seiner Begrüßungsrede hatte der Vorsitzende die rund 90 erschienenen Mitglieder und Gäste, darunter Bürgermeister Franz-Josef Moormann, Landtagsabgeordneter und Chef der Kreis-CDU Lutz Lienenkämper sowie Bundestagsabgeordneter Ansgar Heveling, Geschlossenheit aufgerufen und auf die anstehenden Wahlkämpfe eingestimmt: "Wir müssen gemeinsam und hochmotiviert in die kommenden Wahlkämpfe ziehen. Wir müssen als ein Team wahrgenommen werden, das Antworten auf die Themen der Zukunft gibt." Dass dieser Teamgedanke in der Vergangenheit auch öffentlich wahrnehmbar verloren gegangen sei, sei ein Fehler — darauf wies Christoph, der gleichzeitig stellvertretender Fraktionschef ist, noch einmal ausdrücklich hin. "Die Entscheidung zum Schulstandort Stakerseite hat der Rat vor mehr als 18 Monaten getroffen. Wer Politik gestalten will, muss irgendwann auch in der Lage sein, einen Schlussstrich zu ziehen. Es ist ein massives Problem der CDU, dass das bis heute noch nicht überall möglich ist."

Vor allem die Zusammenarbeit in der Fraktion hat unter dem Schulstreit gelitten. Die Stakerseite, sagte Uschi Baum am Dienstag unserer Zeitung, sei aber nicht der entscheidende Grund für das Zerwürfnis. Das Misstrauen sei über lange Zeit gewachsen. Fraktionschefin Dorothea Zillmer steht zwischen den Stühlen. "Ich trage Verantwortung für die Fraktion", sagt sie. "Und die ist nach wie vor funktionsfähig und -tüchtig."

(NGZ/ac)