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Kaarst: Bundestrainer bringt Kindern Fechten bei

Kaarst : Bundestrainer bringt Kindern Fechten bei

Jeden Montag hält Vilmos Szabo beim neuen Säbel- und Fechtkursus der SG Kaarst nach Talenten Ausschau.

Erst sieht es aus wie ganz normales Konditionstraining. Doch kaum haben die 14 Kinder ihre Übungen beendet, ziehen sie ihre eigentliche Sportausrüstung an. Sobald sie die 800-Newton-starken Jacken angezogen, die Handschuhe übergestülpt und ihre Masken aufgezogen haben, ist klar: Dies ist ein besonderer Sport. Seit einiger Zeit bietet die Fechtabteilung der Sportgemeinschaft (SG) Kaarst wieder einen Säbel- und Fechtkursus für Kinder im Alter von acht bis 17 Jahren an.

"Es ist sehr lange her, dass es in Kaarst einen Fechtkursus für den Nachwuchs gab", sagt Abteilungsleiterin Stephanie Bode. Die Erwachsenen-Fechtabteilung bestehe derzeit aus acht aktiven Mitgliedern, das Durchschnittsalter liege bei Mitte 60. "Uns war klar, wir müssen etwas für den Nachwuchs tun, sonst stirbt unsere Fechtabteilung aus." Bislang finden sich regelmäßig zwölf Jungen und zwei Mädchen am Montagabend in der Turnhalle an der Halestraße ein. "Wir könnten aber bis zu 20 Kinder trainieren", sagt Bode. Sorgen um die Kosten müsse sich keiner machen. "Die Kinder bekommen die komplette Ausrüstung gestellt. Masken, Säbel, Handschuhe, Oberteile — alles sei vorhanden. Die übrigen wichtigen Teile wie Hosen, elektronische Melder und Kabel sowie Westen bringt Vilmos Szabo mit.

Für Kenner des Fechtsports ist er kein Unbekannter: Szabo prägt seit fast zwei Jahrzehnten den Fechtsport in Dormagen — die "Säbelfechterschmiede" schlechthin, sagt Bode. Der gebürtige Rumäne trat als aktiver Fechter bei drei Olympischen Spielen für seine Nationalmannschaft an. Seit einigen Jahren ist er Bundestrainer des Deutschen Fechter Bundes für die Disziplin Herrensäbel und führte zahlreiche Fechter in die Weltspitze. Nach Kaarst kommt Szabo montagsabends "nur zum Spaß", erzählt er und ergänzt: "Ich will ein bisschen nach dem Nachwuchs gucken." Vielleicht sei ja das ein oder andere Talent darunter.

Für das eigentliche Training der Kinder und Jugendlichen ist Alexander Kuhn verantwortlich. Der 20-Jährige kommt extra aus Rommerskirchen, um den Nachwuchs zu trainieren. Den Jungen und Mädchen macht das Fecht- und Säbeltraining offensichtlich Spaß. "Ich finde am Fechten so spannend, dass ich mich einerseits schützen, andererseits angreifen muss", sagt der 12-jährige Malik Aabaslama. Und die neun Jahre alte Lola Schahab hat Fechten in alten Filmen gesehen: "Das fand ich toll und wollte das auch gerne lernen." Elitär sei Fechten schon lange nicht mehr, sagt Stephanie Bode. Dieses Vorurteil hänge dem Sport aber immer noch an. Im Mittelalter hatten nur die Reichen Säbel, Degen oder Florett. "Und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Fechten ausschließlich auf Französisch gelernt. Wer aus gutem Hause war, machte diesen Sport", erklärt Bode. Dies sei heute längst nicht mehr so. "Fechten ist sogar günstiger als Tennis", sagt die Abteilungsleiterin. "Kinder, die sich von anderen Mannschaftssportarten nicht angesprochen fühlen, haben häufig Spaß am Fechten." Denn es sei ein vielseitiger Sport, der vieles lehre: Reaktionsvermögen, Disziplin, Strategie, Eleganz, Beobachtungsgabe und Taktik. Und Kondition gibt er auch. "Weil es ein sehr schneller Sport ist, ist er auch anstrengend."

(NGZ)