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Büttgener Peter Königs (85) gründet Mundartpartei „P.P.P.“

Dichter in Kaarst : Büttgener gründet Mundartpartei „P.P.P.“

Peter Königs (85) widmet sich seit Jahrzehnten dem kunstvolle Reimen in Dialektform. Dabei sitzt dem Mundartdichter aus Büttgen oft der Schalk im Nacken.

Als er den Flyer las, mit dem Lars Christoph, Bürgermeisterkandidat der Christdemokraten, im Vorfeld der Kommunalwahl zu einem Nachbarschaftsgrillen bei Familie Brodka-Glaeser an der Römerstraße in Büttgen einlud, kam Peter Königs die Idee. „Ich gründe eine Mundartpartei!“ Und weil so gut wie jeder im Dorf weiß, dass der Pitter gerne redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, war auch der Name schnell gefunden: „Platte Pitter Partei“, kurz P.P.P.

Ein Riesenspaß für den bald 86-Jährigen, der am 24. August seinen Geburtstag feiert. „Ich bin ihr Vorsitzender und das einzige Mitglied.“ Ein Programm hat er auch noch nicht, doch dafür ist der gereimte Wahlaufruf längst fertig – natürlich in bestem rheinischen Platt. Und das klingt dann genau so: „Enne Bütscher Buur bahl Böerjemeester? Manscher meut datt möglesch mache! Drömm Wähler maak kenn halve Sache. Sons wütt enne angere eschter.“

Verse, die der ehemalige Schriftsetzer, der seine Prüfung einst bei der damals noch an der Krefelder Straße residierenden Neuß-Grevenbroicher Zeitung ablegte, locker aus dem Ärmel schüttelt. Denn das Fabulieren, das kunstvolle Reimeschmieden liegt ihm seit jeher im Blut. Über die Jahrzehnte sind auf diese Weise hunderte Texte zusammengekommen – mal lustige, mal ernste, mal banale und mal deftige, aber immer mit viel Herz. Aus seinen Sammelordnern, deren Inhalt wiederentdeckt werden will, zieht der auch mit Mitte 80 noch ansteckend neugierige Mundartpoet sein selbstverfasstes „Büttscher Alphabet“ hervor. Das steht unter dem Leitsatz: „Wöet ömm förr ze schänge onn Loff affzelohte“ (Was um zum Schimpfen und Luft abzulassen). Los geht es mit dem derben Aaschkrüffer, Königs führt dann recht bald die Knaatschfoot ein und kommt über den Ohßepissel und die Schnövnaas schließlich zum Zuppedier.

Angenommen hat sich Königs auch schon der Witwe Bolte von Wilhelm Busch und der Lorelei. Perlen der rheinischen Mundart, die er seinem Publikum auf dem Büttgener Dorfabend und bei ähnlichen Gelegenheiten kredenzte. Seine Stücke heißen „Sonnenfinsternis“ und „Zahnschmerzen“. Bei der St.-Sebastianus-Bruderschaft Büttgen bis heute unvergessen ist sein Kassenprüfungsbericht in Dialektform. Die Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens, liegt ihm ebenso am Herzen wie die Fotografie. Nach der Feier zum „60.“ bedachte er seine Gäste nicht mit den üblichen Dankeskarten, sondern mit dem rührenden und im Privatdruck erstellten Bildband: „Büttgen. Unges Dörp – wie ett enns woar“.

Vielleicht sollte sich Peter Königs tatsächlich dazu entschließen, mit seiner P.P.P. an der nächsten Wahl teilzunehmen. Die Stimmen der „Büttscher“ wären ihm gewiss. Seine Rede hätte er jedenfalls schon fertig: „Falls enne Büttscher Börjemeester wütt. Leev Kaaschter, set net kott, die Blechbüchs lööf drömm net fott, vielleicht er doch jätt joodes jüt! Wenn enne Kaaschter mäck datt Renne, datt kann joh dorschaus möglesch senn, dann trick dä enn die Blechbüchs enn. Su wütt dä Büttscher datt anerkenne! Kütt kenne van dänne ande Reih, su wöer datt joh enn jruete Blamasch! Denn heesch er: Uut Kaasch kütt nix raasch, dann wählt levver P.P.P. Platte Pitters Partei.“