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Büttgen: Wenn aus pflegenden Angehörigen Freunde werden

Angebot in Büttgen : Wenn aus pflegenden Angehörigen und Begleitern Freunde werden

Der Büttger Treff ist ein Gesprächskreis für pflegende Angehörige. Er besteht seit einem Jahr und die Bilanz fällt überaus positiv aus.

Der alte Mann erzählt bewegt vom Schicksal seiner dementen Frau, die nach einem Sturz zunächst im Heim versorgt wird und demnächst nach Hause kommt. Seine Tränen kann der 83-jährige dabei nicht zurückhalten – aber das muss er im Gesprächskreis für pflegende Angehörige auch nicht.

Hier im Büttger Treff findet er seit dem Frühjahr 2019 Rat, Hilfe und emotionale Unterstützung: Sei es beim Umgang mit Krankenkassen und Behörden oder der Beantragung von Hilfsmitteln.

Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige besteht seit einem Jahr und die Bilanz fällt überaus positiv aus. Mittlerweile hat sich eine feste Gruppe von fünf Teilnehmern gebildet, die sich mindestens ein Mal monatlich trifft. Der Gesprächskreis gehört zum Projekt einer Quartiersinitiative „Älterwerden in Büttgen“ und überwindet inzwischen Generationen: Sarah Pommerening ist Mutter von drei Kindern, davon zwei mit einer schweren Behinderung. Über das Angebot des Gesprächskreises freut sich die 36-Jährige sehr, da es nichts Vergleichbares in Büttgen gebe. Sie empfindet den guten Austausch als echte Bereicherung. In Gisela Seidel, einer zertifizierten Seniorenbegleiterin, hat sie die richtige Ansprechpartnerin gefunden: Sie hilft ihr bei allen Fragen des Alltags und begleitet Unternehmungen, wobei auch Seidels Enkel mit von der Partie sind. So ist ein besonderes Verhältnis entstanden.

Inzwischen ist aus der Angehörigengruppe auch eine Trauergruppe geworden: Zwei Damen haben ihre Ehemänner liebevoll bis zum Tod gepflegt und finden nun Halt durch die Gruppe in der Lebensbegleitung dieser speziellen Phase. Und Kati Reinartz hat über viele Jahre diverse Familienmitglieder gepflegt und bereits in den 1980er Jahren einen Begleiterkurs in der Altenpflege bei Gerda Linden – ehmalige Leiterin einer Schule für Altenpflege und heute im Büttger Treff aktiv – absolviert. Trotzdem ist Reinartz sehr froh über den Gesprächskreis: Hier könne man sich „richtig auskotzen“ und erfahre eine kontiunierliche Begleitung.

Mittlerweile sind echte Freundschaften mit Treffen auch außerhalb der Gruppe entstanden. Alle schätzen zufällige Begegnungen vor Ort und unterstützen sich mit aufmunternde SMS und dem Wissen, zu jeder Zeit einfach mal anrufen zu können. Ergeben sich andere positve Kontakte, kann sich derjenige selbst zum Seniorenbegleiter ausbilden lassen. Der Gesprächskreis hat einen Notfallordner entwickelt, der für geringes Entgelt erworben werden kann. Weitere Informationen gibt es bei Cordula Bohle unter der Telefonnummer 02131 2025060 oder per Mail an cordula.bohle@caritas-neuss.de.