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Büttgen: Kriegerdenkmal in schlechtem Zustand

Ehrenmal in Büttgen : Kriegerdenkmal in schlechtem Zustand

Die Gedenkstätte am Luisenplatz bröckelt und muss dringend gepflegt werden. Dafür ist die Stadt verantwortlich.

Eine dicke Baumwurzel liegt frei, mehrere Steine fehlen: Der Zustand des Bodens vor dem Kriegerdenkmal am Luisenplatz in Büttgen ist derzeit kein guter. Die Stadt wurde per Mängelmelder informiert: „Die Schäden am Denkmal sind bekannt und werden beseitigt“, sagte Stadtsprecher Peter Böttner auf Anfrage. Denn die Pflege des Denkmals und seiner Umgebung obliegt der Stadt Kaarst. Und nicht den Büttgener Schützen, die anlässlich des Schützenfestes Kränze niederlegen: Das sei alleine Sache der Stadt, erklärte der Erste Brudermeister Hans-Wilhelm Bienefeld. Eine erneut angebrachte Infotafel gibt Auskunft über die  Entstehungsgeschichte des Kriegerdenkmals und den Umgang mit deutscher Erinnerungskultur. Hier fehlt nur noch die Erweiterung mit einem QR-Code. Er stellt eine Verbindung zur neuen Homepage der Stadt her, sobald sie online geht.

Nachdem 1926 belgische und französische Besatzungstruppen Büttgen verlassen hatten, beschloss der neugegründete Kriegerverein Büttgen die Errichtung einer Gedenkstätte. Standort sollte der Eingang des Friedhofs sein. 1933 waren genug Spenden beisammen, um künstlerische Entwürfe in Auftrag geben zu können. Schließlich setzte sich eine Gemeinschaftsarbeit von Paul Loskill (Büttgen) und Will Hall (Düsseldorf) durch – ein Triptychon. Es zeigt einen überlebensgroßen Soldaten als heldenhaften Einzelkämpfer, einen den Boden beackernden Bauern sowie eine Mutter mit ihrem Kind – ein klares Beispiel für nationalsozialistische Kunst. Rechts und links sind die Namen der gefallenen Soldaten eingraviert. Auch der Standortwechsel vom Friedhofseingang zum Luisenplatz ist eine nationalsozialistische Machtdemonstration: die Loslösung des Denkmals aus kirchlicher Nähe.  Am 11.11.1934 wurde das in aufwendiger Mosaik-Technik gestaltete Denkmal feierlich eingeweiht. Wobei die damalige NS-Führung die Worte „Die toten Helden waren die ersten Nationalsozialisten der Tat“ (Heft 16 der Heimatkundlichen Schriftreihe) wählte. Nach Kriegsende musste das Bild auf Druck der Allierten mit Farbe und Teer übermalt werden. 1951 befreiten Schützenbrüder des Zuges „Jan van Werth“ das Denkmal wieder davon, 1983 sorgte die Stadt Kaarst für eine umfangreiche Restaurierung.

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Ist eine Kranzniederlegung vor einem Ehrenmal, das die Ideologie des Nationalsozialismus widerspiegelt, noch zeitgemäß? Peter Böttner verweist für eine Antwort an die Büttgener Schützen – und diese Frage wird von Franz-Josef Bienefeld mit einem klaren Statement beantwortet: „Zum Gedenken an die gefallenen, auf See gebliebenen und verstorbenen Soldaten sowie aller in Kriegen verstorbenen Menschen ist es eine Ehrenpflicht, für diese Menschen einen Kranz niederzulegen“, sagt er. Der Umwidmung des Kriegerdenkmals in ein Mahnmal gegen Krieg und Terror gegen die Zivilbevölkerung stimmte die Bruderschaft nicht zu. Denn das zöge äußerliche Umgestaltungen nach sich, „die nicht zu einem denkmalgeschützten Kriegerdenkmal passen“, so die Bruderschaft.