Büttgen: Kinderparlament übt einmal im Monat Demokratie

Kinderbildungszentrum Büttgen : Kinderparlament übt Demokratie

Einmal im Monat kommt das Kinderparlament des KBZ Büttgen zusammen. Die zwölf Mitglieder beraten dann über die Verbesserungsvorschläge aus Kindersicht. Die Ergebnisse werden im Jugendhilfeausschuss vorgestellt.

Die Tagesordnung liest sich professionell: Begrüßung, Festlegung der Sitzungsformalitäten, Anwesenheit und Vorstellen der Mitglieder. Das Besondere: Sie besteht nicht nur aus Wörtern, sondern auch aus Piktogrammen wie einem Wollfaden als Sinnbild für den Sitzungsleitfaden.

Denn die jüngsten Mitglieder des Kinderparlaments des Kinderbildungszentrums (KBZ) Büttgen können noch nicht lesen. Top 3 besteht sogar ausschließlich aus Bildern. Sie machen mit der Bedeutung der „Schatztruhen“ vertraut, die in den sechs Einrichtungen des KBZ stehen. Diese Truhen nehmen die Verbesserungsvorschläge der Kinder auf. Die zwölf Mitglieder des Kinderparlaments – jeweils zwei pro Einrichtung im Alter von fünf bis neun Jahren – kümmern sich ein Mal im Monat bei ihrer dreißigminütigen Sitzung um diese Herzensanliegen oder bringen eigene Vorschläge ein. Und das mit Begeisterung und Herzblut.

Ihr Treffen um 8 Uhr morgens dauert 30 Minuten, für das die Schulkinder frei bekommen. Zu Beginn des Schuljahres wurden die Vertreter des Kinderparlaments neu gewählt – einige Wiederholungstäter sind dabei. Laurenz, Levi und Lina finden ihre Aufgabe einfach toll: „Es ist cool und macht Spaß, anderen zu helfen!“ Lina hat sogar „Wahlkampf“ gemacht: Sie habe erklärt, dass sie wieder antrete und damit Stimmen sammeln können. Jedes Kind fertigte einen Steckbrief mit Foto und persönlichen Informationen an, der in der Einrichtung aufgehängt wird. „So wissen auch die Eltern Bescheid, wer ihre Kinder vertritt“, erklärt Martina Bläser vom Jugendamt der Stadt Kaarst. Sie führt Protokoll während der Sitzungen und unterbreitet die Ergebnisse dem Jugendhilfeausschuss. Das Kinderparlament besteht seit fünf Jahren und die Kinder erzählen stolz von durchgesetzten Projekten: Die den Fußballplatz umgebenen Sträucher wurden beschnitten – „Wir müssen nämlich sonst immer die Bälle in den Dornen suchen“, sagt Laurenz treuherzig.

Allerdings stehe das jedes Jahr erneut auf der Wunschliste – wie bei „großen“ Parlamentariern müsse man halt immer an Ball bleiben, manches dauere sehr lange oder werde nie realisiert. Laura berichtet von einem Kinoprojekt, bei dem beliebte Filme wie „Ice Age“ und „Anna und Elsa“ gezeigt wurden. „Dafür haben die Kinder Plakate und Eintrittskarten entworfen“, erinnert sich Martina Bläser. Auch ein Vorschlag der Kita-Kinder wurde umgesetzt: eine Waldrallye mit Schatzsuche und Schnitzeljagd.

Im neuen „Regierungsjahr“ soll ein Zirkusprojekt nachgeholt werden, außerdem geht es um Nachhaltigkeit. In jedem Klassenzimmer gibt es nur einen Mülleimer. Hier machen sich die Kinder für Mülltrennung stark. Laura wünscht sich mehr Bäume auf dem Spielplatz im Neubaugebiet und pocht auf einen sicheren Schulweg im Bereich Berliner Platz. Denn die Vorschläge der Kinder beziehen sich auch auf den öffentlichen Nahraum. Kita-Kind Frida hofft auf mehr Bepflanzung an der Kita Lichtenvoorder Straße. Am Ende des Schuljahres bekommen die Kinder im Rathaus eine Urkunde über ihren Einsatz überreicht.

Und waren sie schon bei den Kollegen in Berlin? Einige wissen: Die sind unter der großen Kuppel. Dort konnte man nämlich gut spazieren gehen.

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