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Kaarst: Bürgerbus-Projekt droht zu scheitern

Kaarst : Bürgerbus-Projekt droht zu scheitern

Während der Bürgerbusverein die Unterstützung der Stadt vermisst, fühlt sich diese für das Gelingen des Vorhabens nicht verantwortlich.

Ist das Bürgerbus-Projekt zu ambitioniert für Kaarst? Das ist eine Frage, die sich Außenstehenden mittlerweile unweigerlich stellt. Denn: Was in vielen Nachbarkommunen perfekt funktioniert, kommt in Kaarst auch nach einem Jahr Planung partout nicht in Gang. Bei der Frage, woran das liegt, sind sich Bürgerbusverein und Stadt einig: Der jeweils andere ist Schuld, wobei sich die Verwaltung in diesem Zusammenhang eher als Außenstehende sieht — von der sich der Verein aber trotzdem mehr Unterstützung wünscht.

Richtig ist: Der Bürgerbusverein muss zunächst einen Verkehrsbetrieb als Konzessionspartner gewinnen, der nicht nur die Landesmittel für die Finanzierung des Fahrzeugs beantragen darf und die spätere Wartung übernimmt, sondern der mitunter — falls das Projekt scheitert — auch das wirtschaftliche Risiko trägt. Dazu hat es bereits Gespräche mit den Stadtwerken Neuss (SWN), dem Busverkehr Rheinland (BVR) und der Rheinbahn gegeben. In den Gesprächen konnte man sich allerdings nicht auf eine Linienführung einigen, die nicht in Konkurrenz zu dem bestehenden ÖPNV-Angebot treten würde.

Vier Touren, die insgesamt das komplette Stadtgebiet abdecken, haben der Vereinsvorsitzende Albert Butzmühlen und seine Mitstreiter den Verkehrsbetrieben vorgelegt. Die Stadt hält die Idee so für nicht realisierbar. "Es ist Aufgabe des Vereins ein Konzept vorzulegen, das zustimmungswürdig ist", sagt Sebastian Semmler, Leiter des Bereichs Zentrale Dienste. "Das bislang ausgearbeitete Routenangebot ist ambitioniert." Abgesehen von der Konkurrenzsituation ergäben sich daraus womöglich auch wirtschaftliche Unwägbarkeiten. "Vielleicht wäre es sinnvoller, erst einmal mit einer Route zu starten. Das Angebot, dass eine Verkehrsplanerin der Stadt bei der Erarbeitung hilft, steht. Bislang wurde es nicht in Anspruch genommen." Klar sei aber auch, dass die Stadt nicht die komplette Arbeit übernehme.

Abgesehen von den praktischen Problemen vermisst Albert Butzmühlen auf Seiten der Stadt allerdings auch so etwas wie moralische Unterstützung und — die Zusage, gegenüber den Verkehrsbetrieben notfalls als Bürge einzustehen. "Der Bürgermeister beruft sich auf jede Menge Paragrafen, aber das hilft uns nicht weiter". sagt er. Was die Politik betrifft, ist die Sachlage klarer. Im Dezember hat sich der Stadtrat noch einmal ausdrücklich für die Bemühungen um einen Bürgerbus ausgesprochen und die Verwaltung aufgefordert, dem Verein dabei unter die Arme zu greifen.

Dass der Bürgerbus ein Erfolgsprojekt sein kann, beweist unter anderem die Nachbarstadt Willich mit zwei entsprechenden Linien. Rund 26 000 Fahrgäste zählte der Bürgerbus dort im vergangenen Jahr. Die Streckenführung war dort nie ein Problem. "Dass sich die Linien irgendwo kreuzen, lässt sich nicht vermeiden. Wir benutzen sogar dieselben Bushaltestellen wie der ÖPNV", sagt der Willicher Vereinsvorsitzende Franz-Carl Hübner.

(NGZ)