Kaarst: Bürger erwägen Klage gegen Stromtrasse

Kaarst: Bürger erwägen Klage gegen Stromtrasse

Während die Bürgerinitiative "Pro Kabel" überlegt, gegen den Bau einer komplett oberirdischen 380-kV-Höchstspannungsleitung auf Kaarster Stadtgebiet zu klagen, hat sich in Osterath eine Bürgerinitiative gegen den Bau von Europas größter Konverterstation gegründet.

Die Energiewende wird die Silhouette der Region, speziell des Osterather Südens, massiv verändern. Auf bis zu 36 Hektar Fläche (das entspricht 50 Fußballfeldern) plant Netzbetreiber Amprion Europas einzige Doppel-Konverterstation zur Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom — und umgekehrt. Geplante Kosten: schätzungsweise 390 Millionen Euro. Bei den Osterathern ist das Vorhaben auf massiven Widerstand gestoßen. In dieser Woche hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Viele Anwohner haben Angst — auch in Kaarst.

Zur Sicherung der Energieversorgung will die Amprion GmbH das Stromnetz in NRW ausbauen. Geplant ist unter anderem die Errichtung einer neuen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung zwischen den Umspannanlagen Osterath und Rommerskirchen. Die Konverterstation in Osterath soll zentraler Knotenpunkt der "Nord-Süd-Stromautobahn" werden. Auf Kaarster Stadtgebiet würde die Leitung auf circa 4,4 Kilometern Länge von Norden nach Süden verlaufen: östlich der L 154, von der Alten Landwehr über die L 30 und die A 52, weiter über die Neusser Straße, östlich entlang der Wohnbebauung Im Rottfeld/Kampwebersheide und ab der Autobahnanschlussstelle Holzbüttgen parallel zur A 57, wo sie im Bereich des Gewerbegebiets Hüngert das Stadtgebiet dann wieder verlässt.

Politik und Verwaltung haben sich klar gegen den Bau einer komplett oberirdischen 380-kV-Höchstspannungsleitung auf Kaarster Stadtgebiet ausgesprochen. Geprüft werden muss nach Auffassung der Stadt dagegen eine unterirdische Stromverkabelung im Bereich zwischen Neusser Straße und der Autobahnanschlussstelle Holzbüttgen — dort also, wo die bereits bestehende Stromtrasse der Wohnbebauung schon jetzt sehr nahe kommt.

Amprion begründet die Pläne für Kaarst unter anderem mit der bereit seit 1917 bestehend Trasse. Mit einem Verlassen derselben, heißt es, würde die Konflikte nur verlagert, die Gesamtsituation aber nicht verbessert. Was die Erdverkabelung betrifft, wird vor allem auf die derzeit bundesweit begrenzte Anzahl genau definierter Standort für Pilotprojekte verwiesen. Über die generelle Zulassung von Erdkabeln bei Höchstspannungsleitungen soll erst nach deren Auswertung entschieden werden.

Willi Traut, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Pro Kabel", der sich auch die Kaarster Initiative angeschlossen hat, sagt: "Der nächste Schritt, der jetzt gemacht werden muss, ist, dass auch bei uns Pilotprojekte ausgewiesen werden." Eine Klage, wie sie derzeit in Krefeld geplant sei, halte er auch in Kaarst und Neuss für möglich. "Denn nur eine Klage hat aufschiebende Wirkung. Und das kostet die Netzbetreiber richtig viel Geld. Im Moment hab ich das Gefühl, die machen, was sie wollen."

(NGZ/ac)
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