1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: "Buddel-Waschbär" darf nicht gefangen werden

Kaarst : "Buddel-Waschbär" darf nicht gefangen werden

Weil keine Auffangstation Platz hat, dürfen Jäger den "Gartenwühler" aus Holzbüttgen nicht ködern. Derweil treibt er weiter sein Unwesen.

Agnes Bechthold ist verzweifelt. Eine Woche lang ist sie im Urlaub gewesen, nur um beim Heimkommen feststellen müssen, dass ihr schöner Garten mittlerweile einem stark genutzten Truppenübungsplatz gleicht. Der Übeltäter ist längst bekannt. Seit Ende August steht fest, dass ein Waschbär seit eineinhalb Monaten den einst sauber geschnittenen Rasen hinter dem Einfamilienhaus am Schwarzen Weg umpflügt. Eine eigens installierte Kamera zeichnete das nächtliche Treiben damals beweissicher auf. Geändert hat sich seither nichts. Der Gartenwühler ist weiter auf freiem Fuß, denn - gefangen werden darf er nicht.

"Wir haben es hier mit einer sehr schwierigen Situation zu tun", erklärt Kreisjagdberater Reinhold Roelen. "Das Grundstück der Familie Bechthold befindet sich nämlich in einem befriedeten Bereich, das heißt, es ist kein Jagdrevier." Geschossen werden dürfe ein Waschbär dort also auf gar keinen Fall. Das, sagt der Experte, sei nur in freier Wildbahn möglich, und das auch nur dann, wenn das Tier keine Jungen aufziehe. Aber auch das Aufstellen einer Lebendfalle ist nicht mal eben erlaubt. "Das dürfen nur speziell ausgebildete Jäger machen, die einen sogenannten Fangschein besitzen", sagt Roelen. "Doch selbst dann bleibt die Frage: Wohin mit dem Tier?"

Die Untere Jagdbehörde sei eingeschaltet und habe unter anderem mit einer Waschbär-Auffangstation in Dresden und dem "Schneckenhaus" in Grevenbroich Kontakt aufgenommen, versichert der Jäger. "Das Problem ist nur: Dort ist nirgendwo Platz. Alles, was ein Jäger in dieser Situation tun könnte, wäre illegal."

Agnes Bechtold tröstet das nicht. Ihr biologisch kerngesunder Rasen, in dem Reinhold Roelen besonders viele Regenwürmer und Engerlinge - Waschbär-Nahrung - verortet, ist unwiederbringlich zerstört, fürchtet sie. Ende Juli hatte die Holzbüttgenerin die Verwüstungen in ihrem Garten erstmals bemerkt. Die genaue Identität des Täters stand da noch nicht fest. Tiefe, kraftvoll gezogene Furchen und herausgelöste Erdbrocken deuten allerdings darauf hin, dass es sich um ein Tier - und zwar um ein großes - handeln musste. Zunächst war nur der hintere Teil der Rasenfläche betroffen. Eine Nacht später kehrte "Es" wieder zurück. "Durch das Gartentörchen zur Straße", vermutete Agnes Bechtold da noch, denn das stand in den Tagen davor immer sperrangelweit auf.

Matthias Johnen von der Kreisjägerschaft bestätigt, dass das niedliche Raubtier auf dem Vormarsch ist. Immer häufiger taucht das fuchsgroße Bärchen in heimischen Gärten, auf Terrassen und Balkonen auf. "Der Waschbär", sagt Johnen, "wohnt gerne in besiedeltem Gelände. Er versteckt sich in Schuppen und Scheunen, weil er weiß, dass er dort im Zweifel Nahrung findet." Der Holzbüttgener "Wühlbär" soll gleich um die Ecke hausen. Ein Nachbar, sagt Agnes Bechthold, habe das Tier drei Häuser weiter unter seiner Garage entdeckt. Reinhold Roelen rät jetzt zum Auslegen von Klosteinen und Haaren. "Wenn die Tiere menschliche Witterung aufnehmen, flüchten sie", sagt er. "Damit wäre das Problem dann allerdings nur verlagert."

(NGZ)