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Kaarst: Braucht Kaarst Streetworker?

Kaarst : Braucht Kaarst Streetworker?

Der Jugendhilfeausschuss sucht derzeit nach Antworten auf die Frage, wie eine zeitgemäße Jugendarbeit in Kaarst aussehen könnte. Jetzt berichtete Straßen-Sozialarbeiterin Marion Tank aus Willich über ihre Arbeit.

Ist das aktuelle Angebot für Jugendliche noch zeitgemäß? Muss die Jugendarbeit in Kaarst verändert werden? Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses suchen derzeit nach Antworten. Jetzt referierte Marion Tank, die seit 14 Jahren als Streetworkerin in Willich arbeitet, vor dem Gremium. Die Mitbegründerin des Vereins "Asphaltkids" sprach Klartext, sagte, was Streetwork kann und was nicht.

Die Frage ist: Wäre der Einsatz von Streetworkern in Kaarst — etwa im Bereich des Stadtparks — überhaupt sinnvoll? Stadtjugendpfleger Ralf Schilling und die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Ursula Baum, erklären einmütig, auch nachts ohne mulmiges Gefühl durch den Kaarster Stadtpark zu gehen. Randalierende, gewaltbereite Jugendliche seien die Ausnahme, sagen sie.

Aber — auch in Kaarst gibt es womöglich junge Leute, die durch die klassische Jugendarbeit nicht erreicht werden. Das ist die Zielgruppe für Streetworker. "Stigmatisiert, arbeitslos, sozial benachteiligt", so beschrieb Marion Tank ihre Klientel. Ihre Aufgabe sei es, die jungen Menschen bei der Schaffung positiver Lebensbedingungen zu unterstützen. Was sich recht simpel anhört, ist es in Wahrheit gar nicht: "Der Streetworker muss eine hohe Frustrationsgrenze haben, oft kommt man nur in ganz kleinen Schritten vorwärts", erklärte Tank.

Eine Entwicklung, die Streetworkerin über die Jahre hinweg festgestellt hat: "Ich betreue nicht mehr nur Kinder und Jugendliche, die irgendwelchen Randgruppen angehören und aus benachteiligten Familien kommen. Da sind auch ehemalige Gymnasiasten dabei, die plötzlich wegbrechen." Straßensozialarbeit, so Tank, wirke sich nicht kurzfristig sichtbar aus. "Wir sind keine Sozialfeuerwehr. Ein Streetworker kann auch keine ordnungspolitischen Aufgaben übernehmen."

Ausschussvorsitzende Ursula Baum (CDU) fand den Vortrag "sehr gut, sehr nachdenkenswert". Man müsse jetzt überlegen, ob die Struktur der Jugendzentren verändert werden müsse, ob an eines beispielsweise ein Streetworker angebunden werden könne, sagt sie. Was Baum besonders gefiel: Marion Tank hatte von einem Jugendcafé in Willich-Anrath berichtet, das in umgebauten Eisenbahnwaggons untergebracht worden ist. Außerdem bietet sie nachts Sport an — junge Leute, die sich auspowern, können besser und sozialverträglicher Aggressionen abbauen.

Ursula Baum geht davon aus, dass der Unterausschuss Jugendhilfe sich demnächst mal im benachbarten Willich umschauen wird. Möglich, sagt sie, sei es, dass eine Kombination aus Streetwork, Jugendfreizeiteinrichtungen und Jugendcafé das Richtige für Kaarst sei.

(NGZ)