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Brand zwischen Kaarst und Neuss: Feuer gelöscht – Kripo nimmt Ermittlungen auf

Großbrand zwischen Kaarst und Neuss : Feuerwehr rückt ab – Schrottplatz wird gesperrt

Nach dem Schrottplatz-Brand an der Neusser Stadtgrenze ist die Feuerwehr am frühen Freitagnachmittag abgerückt. Die Kriminalpolizei war auch bereits auf dem Gelände, das ab 17 Uhr über das Wochenende gesperrt wird.

Um kurz nach 14 Uhr erklärte Feuerwehr-Sprecher Christian Franke den Einsatz für beendet – zumindest aus Sicht der Feuerwehr. „Wir sind grundsätzlich fertig“, sagte der Sprecher  gegenüber unserer Redaktion. Auch die Kriminalpolizei sei bereits auf dem Gelände gewesen und habe die Ermittlungen aufgenommen. Bis 17 Uhr ist das Gelände für den Eigentümer noch geöffnet, danach wird es für das kommende Wochenende aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt. Die Brandursache ist weiterhin unklar.

Gegen 8 Uhr wurden die Einsatzkräfte, die in der Nacht dort gearbeitet hatten, durch Löschzüge aus Neuss wieder abgelöst. In der Nacht waren Einsatzkräfte aus Dormagen, Rommerskirchen und Korschenbroich im Einsatz, wie Franke am Freitagmittag erklärte.

In der Nacht hatte verunreinigtes Löschwasser die Einsatzkräfte auf Trab gehalten. Dieses hatte sich mit Öl und Kraftstoff vermischt und konnte nicht abfließen, weshalb sich große Pfützen bildeten. „Eine Spezialfirma musste das verschmutzte Löschwasser abpumpen und dieses wurde einer Kläranlage zugeführt. Zwei Fahrzeuge mit einem Fassungsvermögen von je 30.000 Litern pendelten hin und her. „Nach jetzigem Stand ist es uns gelungen, dass nichts ins Grundwasser  gesickert ist“, erklärte Franke am Freitagmittag.

„Unsere Experten werden heute das Gelände begehen“, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitagmorgen. Aktuell gebe es noch keine Hinweise auf einen möglichen Auslöser des Feuers. Zum jetzigen Zeitpunkt können weder ein technischer Defekt noch eine fahrlässige Verursachung des Feuers ausgeschlossen werden.

Auf dem Schrottplatz hatte es am Donnerstag auf einer Fläche von etwa 120 mal 100 Metern gebrannt, wie Franke am Donnerstagnachmittag mitteilte. Die Rauchwolke war weit über die Stadtgrenzen hinaus bis nach Mönchengladbach zu sehen.

Nachdem sich der Brand zunächst leicht ausgedehnt hatte, konnte die Feuerwehr ein Übergreifen auf ein angrenzendes Wohnhaus verhindern und das Feuer unter Kontrolle bringen. Zu Spitzenzeiten waren rund 160 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis in die Morgenstunden.

„An die Glutnester zu kommen, war zum Teil sehr schwierig“, sagte Franke. „Von Reifen über Autos bis zu Containern und Motoren wurden auf dem Gelände verschiedene Gegenstände gelagert, an die wir teils nur schwer herankamen.“ So mussten mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks etwa Überseecontainer geöffnet werden, in denen Reifen brannten. Angaben zur Schadenshöhe machte die Polizei zunächst nicht.

Auf dem Schrottplatz war am Freitagmorgen ein Meer aus Löschschaum zu sehen. Die Polizei ließ vorerst niemanden auf das Gelände, weil die Kriminalpolizei noch nicht vor Ort war. Auf dem Gelände der benachbarten Lkw-Werkstatt lagen am Morgen noch Schläuche.

In der Nacht wurde mit Hilfe von Scheinwerfern gearbeitet. Die Einsatzkräfte löschten Glutnester auf dem Gelände. „Das Feuer wird noch sehr schwer zu bekämpfen sein, wir müssen den kompletten Schrottplatz auf links drehen, um alle Glutnester zu löschen“, hatte Franke am Donnerstagabend gesagt. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Feuerwehr mit einem Abrissbagger und zwei Radladern.

Der Rauch war am Donnerstagnachmittag und am frühen Abend Richtung Reuschenberg abgezogen. Nach Angaben der Feuerwehr waren auch Gefahrstoffexperten im Einsatz. Alle Messwerte waren nach Angaben Frankes unbedenklich. Unter dem Schrottplatz führt in drei Metern Tiefe eine Pipeline vorbei, von der allerdings keine Gefahr ausgeht.

In Hülchrath kam es nach Feuerwehr-Angaben zu Geruchsbelästigungen durch Rauchgase, da sich die Rauchwolke dort niedergeschlagen hatte. Die Bürger wurden aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Die Hans-Dietrich-Genscher-Straße wurde am Donnerstag ab dem Unternehmen Verpackungen Hoffmann in Richtung Ikea  gesperrt, der Verkehr durch das Gewerbegebiet umgeleitet. Durch Schaulustige entstanden Gefahrenmomente und Verkehrsbehinderungen. Diese hielten zum Teil am Fahrbahnrand an, um das Geschehen zu beobachten oder Bildaufnahmen zu machen. Vereinzelt reagierten Personen mit Unverständnis auf die Aufforderungen der Polizei, die Örtlichkeit zu verlassen beziehungsweise die Absperrung zu respektieren.Am Freitagmorgen lief der Verkehr in alle Richtungen wieder flüssig. 

Die direkt umliegenden Gebäude wurden geräumt – darunter auch das benachbarte Ikea-Haus. Das erklärte Einrichtungshaus-Leiter Stephan Laufenberg am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Er habe die rund 80 Kunden gebeten, das Haus zu verlassen. „Es sieht so aus, als würden wir morgen wieder öffnen können“, sagte Laufenberg. Das Möbelhaus schaltete die Lüftungsanlage ab, damit der Rauch nicht angezogen wird. Die Feuerwehr nutzte die Sprinklerzentrale von Ikea für das Löschwasser. 

Ein Werkstattmeister der benachbarten Scania-Werkstatt hatte am Donnerstag gegen 14.30 Uhr eine erste Explosion auf dem Schrottplatz gehört, weitere folgten. Die Feuerwehr schnitt ein Loch in den Zaun der Werkstatt, um an den dortigen Hydranten zu kommen. „Es hat hier schon mehrfach gebrannt, aber so schlimm wie heute war es noch nie“, sagte Augenzeuge Michael Sturm. Um 14.55 Uhr meldete sich die NINA-Warnapp und gab Handlungsempfehlungen. So sollte das betroffene Gebiet im Bereich Ikea gemieden, Fenster und Türen geschlossen und Klima- und Lüftungsanlagen abgeschaltet werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schrottplatz mit Löschschaum übersät

(seeg/dpa)