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Kaarst: Blaues Blut aus Büttgen

Kaarst : Blaues Blut aus Büttgen

Ada und Dirk von Hahn leben in einem Reihenhaus. Beide stammen aus echten, historischen Adelsfamilien. Ihren Status definieren sie weniger über den Namen als über ihre innere Haltung.

Das Reihenhaus an der Büttgener Jan-van-Werth-Straße wirkt unspektakulär: eine hübsche Fassade, ein gepflegter Vorgarten – aber das haben die anderen Häuser in dieser Ecke ja auch. Kein Anzeichen dafür, dass hinter dieser Tür echter, historischer deutscher Adel lebt. Menschen also, deren Familiengeschichte sich nicht nur über hunderte Jahre zurückverfolgen lässt, sondern die sich auch verpflichtet fühlen: der Tradition und einem sehr hohen, selbst auferlegten moralischen Ideal. Und wo bitteschön ist jetzt hier das Schloss?

Wer das besagte Haus an der Jan-van-Werth-Straße betritt, fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie in einer anderen Welt. Das liegt weniger an den Familienporträts, die an der Wand hängen. Ada und Dirk von Hahn wollen nicht anders sein, aber sie sind es dennoch. Weil sie sich anders geben, verhalten und sprechen: nicht überheblich oder gestelzt, vielmehr besonnen und gewählt irgendwie.

Soziale Verantwortung

Dirk von Hahn ist der dritte Sohn des gefallenen Kommandanten des ersten untergegangenen Kriegsschiffes im Zweiten Weltkrieg Diether von Hahn. 1968 heiratete er Ada von Massow, Tochter des ehemaligen Gutsinhabers in Hinterpommern Rüdiger von Massow. Seit 1977 lebt die Familie in Büttgen. Die Kinder Birthe und Falck sind mittlerweile erwachsen. Falck ist als "Director Quality Management" einer großen Hotelgruppe viel im Ausland unterwegs. Birthe lebt in Ostdeutschland, ehelichte 1996 Freiherrn Henning von Bischoffshausen und hat sechs Kinder. "Jetzt, wo die älteren in der Schule sind, kommen die Enkel nur einmal im Jahr zu Besuch", sagt Ada von Hahn. Und: Alle sechs seien sehr gut erzogen.

Die christliche Erziehung und die Mitgabe von echten, konservativen Werten an die Nachkommen, besonders ein starkes Familienbewusstsein und das Gefühl für soziale Verantwortung – das ist etwas, was den von Hahns wirklich sehr, sehr wichtig. Das, sagen sie, unterscheide den historischen Adel von all jenen, die das "von" im Namen durch Adoption oder Kauf zu unrecht tragen. Ada und Dirk von Hahn leben selber nach diesem Ideal. Alle sozialen, politischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Ehrenämter aufzuzählen, die der gelernte Reedereikaufmann Dirk von Hahn bislang innehatte, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Unter anderem ist er mehrfach ausgezeichneter Ritter im Johanniterorden und berufenes Mitglied der Kreissynode Gladbach-Neuss, war Sachkundiger Bürger im Rettungsausschuss und Gründungsmitglied und Vorstand im Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU im Rhein-Kreis Neuss.

Vor gut zwei Wochen hat von Hahn den Vorsitz der Vereinigung des Adels im Rheinland und Westfalen-Lippe an Seine Durchlaucht Erbprinz Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg abgegeben. Im Vorstand ist der Büttgener aber immer noch. Ada von Hahn kümmert sich um die Geschäftsstelle. Wenn Mitglieder der Adelsvereinigung Fragen, zum Beispiel zur Namensführung oder zur Herkunft haben, dann werden diese beantwortet. "Adel", sagt Dirk von Hahn, "ist nicht eine Sache des Namens oder des Geldes. Wahrer Adel unterliegt der besonderen Verpflichtung, den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft zu schaffen, und er zeigt sich in entsprechend vorbildlicher Haltung. Wer adelig ist, stellt sich nicht in den Vordergrund."

(NGZ)