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Kaarst: Biogasanlage bleibt ein Plan

Kaarst : Biogasanlage bleibt ein Plan

Im Bau- und Umweltausschuss haben sich die Politiker darauf geeinigt, die Entscheidung über den Bau einer Biogasanlage aufs nächste Jahr zu verschieben. Grundsätzlich soll die Stadt aber auf Ökostrom setzen.

Die Stadt Kaarst bekennt sich zu einem an Nachhaltigkeit orientierten Energieverbrauch. Sie kündigt den bis zum 30. Juni 2012 laufenden Stromliefervertrag. Die Neuausschreibung wird auf den Abschluss eines auf ökologische Energieerzeugung basierenden Stromliefervertrags ausgerichtet. Dies beschloss der Bau- und Umweltausschuss auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen einstimmig. Ökologische Energie könnte aus einer Biogasanlage gewonnen werden, möglicherweise im Stadtgebiet selbst.

Ratsherr Josef Karis (Zentrum) verfolgt diese Idee seit sieben Jahren und brachte das Thema jetzt wieder auf die Tagesordnungen der städtischen Gremien. "Schieben Sie das Projekt nicht hin, wir brauchen das", sagte Karis eindringlich. Doch die Skepsis bleibt. Grundsätzlich sind Biogasanlagen in Deutschland umstritten, insbesondere wegen der Geruchsbelästigung. Allerdings bringt sie auch eine Verkehrsbelastung mit sich. Die Verwaltung habe sich eine Anlage in Lüttenglehn angeschaut, wo zwischen 6 und 22 Uhr im Vier-Minuten-Takt schwere Schlepper ankämen, berichtete der Technische Beigeordnete Manfred Meuter.

Neben der allgemeinen Flächeninanspruchnahme sei eine ausreichende Verkehrsführung notwendig und entsprechende Abstandsflächen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Das Zentrum schlägt als mögliche Standorte das Gewerbegebiet Hüngert II und das Umfeld des Sportforums Kaarst-Büttgen vor. Während in Lüttenglehn mit Maissilage gearbeitet wird, sollte eine Kaarster Anlage mit Abfallprodukten, etwa Pferdekot, betrieben werden. "Beim Gewerbegebiet muss die Anlage in das Gesamtkonzept passen", so Meuter.

Zudem sei kein potenzieller Betreiber an die Stadt herangetreten. "Wir haben die Stadtwerke gefragt, ob sie sich das vorstellen können. Sie konzentrieren sich derzeit aber auf den Ausbau der Elektroschiene", erklärt Meuter. Da die Stadt für eine Biogasanlage auch nicht die Genehmigungsbehörde ist, sondern der Rhein-Kreis Neuss, lohne sich keine weitere konkrete Verfolgung des Projekts, solange kein Investor ein Konzept mit Standort und Versorgungsvorstellungen abgibt. Karis kündigte an, notfalls selbst eine kleine Anlage auf einem eigenen Grundstück einrichten zu wollen.

In der Politik ist eine Biogasanlage umstritten. Aufgrund der einzuhaltenden Abstandsflächen wegen der Geruchsbelästigung sei Kaarst ein denkbar schlechter Standort, sagte Rainer Milde (CDU) im Ausschuss. "Im Grundsatz halten wir eine Anlage für denkbar und die Möglichkeit könnte untersucht werden", sagte Dieter Christoph (Grüne). SPD und UWG stimmten dem zu, man entschied sich aber für eine Vertagung bis Januar, wenn vom Land NRW neue Fördermöglichkeiten erwartet werden.

(NGZ)