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Kaarst: Bienenseuche in Kaarst ausgebrochen

Kaarst : Bienenseuche in Kaarst ausgebrochen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat der Rhein-Kreis Neuss für Kaarst eine Tierseuchenverfügung zum Schutz gegen die sogenannte Amerikanische Faulbrut erlassen. Teile der Stadt sind zum Sperrgebiet erklärt.

Jakob Knuppertz ist erleichtert: So wie es aussieht, sind seine Insekten verschont geblieben. Das Kreisveterinäramt war da und hat Proben aus seinen Waben genommen. Knuppertz ist Imker. Auf seinem knapp 2500 Quadratmeter großen Gartengrundstück an der Langen Hecke beherbergt der 77-Jährige 16 Wirtschaftsvölker mit 1,2 Millionen Bienen im Sommer. Dieses Hobby hat er von seinem Großvater geerbt. Für heute haben sich 25 Kindergartenkinder zum Gucken angekündigt. Nicht auszudenken, wie groß die Enttäuschung gewesen wäre, hätte das Untersuchungsergebnis anders ausgesehen.

Andere Imker-Kollegen von Jakob Knuppertz trifft es dagegen hart. Einige müssen womöglich ganze Bienenvölker töten. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat der Rhein-Kreis Neuss für Kaarst eine Tierseuchenverfügung zum Schutz gegen die sogenannte Amerikanische Faulbrut erlassen. Bei der Amerikanischen Faulbrut handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung junger Bienenmaden. "Das Bakterium", sagt Dr. Arndt Vossen, zuständiger Tierarzt beim Kreisveterinäramt, "ist sehr widerstandsfähig und überlebt Jahrzehnte. Übertragen wird es über verseuchten Honig, mit dem die Bienen ihre Larven füttern. Für Menschen, Tiere und auch für erwachsene Bienen ist es absolut ungefährlich." Das, sagt Vossen, gelte sogar für den Fall, dass jemand "befallenen" Honig zu sich nimmt.

Für Bienenzuchten indes kann die Amerikanische Faulbrut höchst bedrohlich sein. Im Erkrankungsverlauf löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf. Im Rhein-Kreis Neuss trat die Infektion jahrelang überhaupt nicht auf, bis das Veterinäramt Ende April, Anfang Mai in einer labortechnisch untersuchten Wabenprobe eines Imkers aus Vorst einen Hinweis auf das Bakterium fand. "Eigentlich sollte von uns ein Gesundheitszeugnis für das betroffene Bienenvolk ausgestellt werden, das die Seuchenfreiheit bescheinigt", sagt Vossen. "Bei der Überprüfung vor Ort haben wir dann einen akuten Befall mit der Amerikanischen Faulbrut festgestellt." Rund um den betroffenen Bienenstand wurde ein Sperrbezirk eingerichtet.

"Dieser", sagt Vossen, "muss eine Größe von mindestens einem Kilometer Radius um den betroffenen Bienenstand haben." Alle Besitzer von Bienenvölkern, die innerhalb dieses Sperrbezirks arbeiten, sind damit verpflichtet, ihre Bienenstände zu melden. Diese werden dann amtstierärztlich untersucht. Um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern, dürfen bewegliche Bienenstände nicht von ihrem Standort entfernt und Bienenvölker nicht in den Sperrbezirk gebracht werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro rechnen.

Fünf Imker, sagt Vossen, waren im Raum Vorst vom Sperrbezirk direkt betroffen. Trotzdem konnte sich die Seuche weiter ausbreiten. Bei einem Bienenvolk in Holzbüttgen machten die Veterinäre einen weiteren Fund. Ein neues Sperrgebiet wurde eingerichtet (siehe Info-Box). Jakob Knuppertz' Bienenzucht liegt nicht darin. Trotzdem hat er sich beim Kreisveterinäramt gemeldet. "Aus Vorsicht", sagt er. "Man weiß ja nie."

(NGZ/anch)