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Kaarst: Beim UN-Gipfel demonstriert

Kaarst : Beim UN-Gipfel demonstriert

Vier Wochen lang reiste Fabienne Ettel mit einer Theaterkarawane für Terres des Hommes durch Bolivien und Brasilien. Ziel der Tour war der UN-Gipfel in Rio de Janeiro. In der NGZ berichtet die Vorsterin von ihren Erfahrungen.

Wieder zu Hause im deutschen Standard, den sie heute mehr zu schätzen weiß als jemals zuvor. Vier Wochen reiste Fabienne Ettel mit einer Theaterkarawane für Terres des Hommes durch Bolivien und Brasilien. Anstrengend war die Reise, beeindruckend die Erlebnisse. "Es war die Erfahrung meines bisherigen Lebens", sagt die 21-Jährige. Die sie auch bescheidener werden ließ.

"In einem Bergdorf gab es nur drei Plumpsklos für alle Bewohner", erzählt sie. Trotz solcher Verhältnisse seien die Menschen freundlich und herzlich. Die Karawane befasste sich in ihrem Stück mit der Ressource Wasser. Fabienne Ettel spielte den Handlanger des Bösen "Mr. Rich", der das Wasser kontrolliert. "Es ging um die Verteilung zwischen Arm und Reich. Allerdings haben wir kein Schwarz-Weiß-Bild zwischen den Bösen und den Opfern gemalt, sondern kritisch aufgezeigt, dass auch Leute mit wenig Geld ihr Wasser verschwenden", erzählt Ettel.

Ziel der Reise vom 24. Mai bis 24. Juni war der UN-Gipfel in Rio de Janeiro. Die Konferenz der Vereinten Nationen hatte die nachhaltige Entwicklung zum Thema. Die Theaterkarawane steuerte von Boliviens Hauptstadt La Paz aus knapp 20 Städte an. Dabei gab es Momente, die sie besonders geprägt haben. In einem bolivianischen Bergdorf brachten Erst- und Zweiklässler mit einem Puppentheater ihre Wünsche für die Zukunft zum Ausdruck: keine Umweltverschmutzung, sauberes Wasser und Trinkwasser für alle.

Beeindruckend war die Groß-Demonstration in Rio. Die jungen Schauspieler saßen auf dem Dach ihres Busses, machten Musik und ließen sich auch vom strömenden Regen nicht stören. Auf dem offiziellen Gelände des Nachhaltigkeitsgipfels "Rio +20" führte die Theaterkarawane ihr Stück auf. Als sich eine Gruppe Chinesen hinzugesellte, machten sie zusammen Musik und plötzlich waren sie der Anziehungspunkt für alle anderen auf dem Gelände. "Man merkte, dass man nicht die gleiche Sprache sprechen muss, um das Gleiche zu wollen", so Ettel.

Der Wille wurde allerdings nicht durchgesetzt. Der "People Summit", ein gleichzeitiges Treffen regierungsunabhängiger Organisationen, forderte eine Ombudsstelle für die Anerkennung ökologischer Kinderrechte. Der Punkt wurde im Abschlussprotokoll des UN-Gipfels jedoch nur angekratzt. "Es wird lediglich gesagt, dass etwas getan werden muss, aber wie, bleibt jedem Land selbst überlassen", sagt Fabienne Ettel. Aus Protest gaben viele Jugendliche ihre Akkreditierung zurück, um damit dem Protokoll ihre Zustimmung zu entziehen.

(stef)