Kaarst: Ausstellung zwischen Fliegen und Fallen

Kaarst : Ausstellung zwischen Fliegen und Fallen

In der Galerie ArtRaum zeigt die Künstlerin Anna Kleeberg Gemälde, Papierarbeiten sowie Skulpturen.

"Now is now", heißt die aktuelle Ausstellung im ARTraum Thielemann an der Sperberstraße 25 gleich hinter dem Wohnpark Broicherdorf. Die aus Chemnitz stammende und in Düsseldorf beziehungsweise Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Anna K. Kleeberg, Jahrgang 1976, zeigt Gemälde und Papierarbeiten sowie Skulpturen. Ihre Bilder sind oft eine Mischung aus Zeichnung und Malerei, der Mensch steht so gut wie immer im Mittelpunkt. Die Künstlerin, die an der Staatlichen Kunsthochschule Berlin Weißensee und an der Hochschule der Künste in Berlin studiert hat, stößt mit ihren Bildern Geschichten in den Köpfen der Betrachter an, die jeder für sich zu Ende denken muss. Das Narrative ist das Charakteristische ihrer Exponate.

Die Künstlerin hatte zwei Jahre lang, bis zu dessen Tod, Jörg Immendorff als Assistentin zur Seite gestanden. Diese Zeit sei für sie nicht sonderlich prägend gewesen, aber die Immendorff-Skulptur, die ein Wesen, halb Affe, halb Mensch darstellt, gab den Anstoß zu ihrer Bronzearbeit "Flughund": Der Kopf ist der eines Hundes, der Körper in groben Zügen der eines Menschen. Diese Arbeit ist typisch für Anna K. Kleeberg, das Fliegen war lange Zeit ihr großes Thema. "Jetzt geht es mehr Richtung Ankunft, Landung", sagt die Künstlerin. Das Bild, das der Ausstellung seinen Namen "Now is Now" gab, erzählt die Geschichte eines Mannes, der eine schwarze Linie überschritten hat und abzustürzen droht. Fortuna, die Göttin des Glücks, taucht schemenhaft hinter ihm auf, mit ihren Gewichten an den Füßen hat sie dem drohenden Absturz des Mannes etwas entgegenzusetzen. Die schemenhafte Darstellung der Glücksgöttin soll als eine Art unsichtbare Begleiterin wahrgenommen werden. Die Botschaft: "Es ist immer jemand da, der auch dich aufpasst."

"Ich probiere ständig Neues aus", sagt die Künstlerin, die selbst in ihren extrem großformatigen Arbeiten zeichnerische Elemente einbringt - was sie mit Kohlestift zeichnet, fixiert sie, damit nichts verwischt oder gar verschwindet. Immer wieder sieht der wissende Betrachter buddhistische Ansätze. Da ist zum Beispiel das Bild mit dem kleinen Zelt in der Dunkelheit, das von innen erleuchtet ist. Das Zelt kann als Metapher gedeutet werden, die Plane ist die dünne Haut eines Menschen, das warme Licht kann für die Strahlkraft eines Menschen, sogar in dunkler Umgebung, stehen.

Eine Installation besteht aus drei Bronzefiguren, den Sternenguckern - hier geht es um Sinn und Sein. Eine menschliche Figur scheint im Garten des Galeristen Wilfried Thielemann gelandet zu sein. Das "Angekommensein" - besser könnte es nicht versinnbildlicht werden. Die Ausstellung endet am 12. August. Bis dahin ist sie mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr oder nach Absprache geöffnet.

(NGZ)
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