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Kaarst: Ausstellung erinnert an DDR-Aufstand

Kaarst : Ausstellung erinnert an DDR-Aufstand

Bürgermeister Franz-Josef Moormann eröffnete die Ausstellung mit der Überschrift "Wir wollen freie Menschen sein". Die Besucher erfahren durch Plakate, wie der Arbeiterkonflikt in der DDR zum politischen Aufstand wurde.

Am 17. Juni 1953 hatten Bürger der DDR erstmals massiv gegen das Unrechtsregime aufbegehrt. Bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung war der 17. Juni in der Bundesrepublik Deutschland ein Feiertag gewesen. Und er ist ein Tag geblieben, der im Geschichtsbewusstsein der Menschen fest verankert bleiben sollte. Ganz in diesem Sinne ist ab sofort in der Rathausgalerie zwischen Rat- und Bürgerhaus eine Plakat-Ausstellung mit der Überschrift "Wir wollen freie Menschen sein! Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953" zu sehen.

Bürgermeister Franz-Josef Moormann eröffnete die Ausstellung. "Der 17. Juni ist aus einer weit verbreiteten Stimmung in der Bevölkerung entstanden", sagte er und erinnerte daran, dass zahlreiche Menschen bei dem Aufstand ihr Leben hatten lassen müssen. Die genaue Zahl steht nicht fest, es sollen aber über 50 gewesen sein. Moormann bezeichnete es als ein "Armutszeugnis" für die damalige DDR-Regierung, dass ein Sozialkonflikt nicht in friedlicher Form hatte bewältigt werden können.

Der Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling zitierte den SPD-Politiker Erhard Eppler: "Die Westdeutschen riskierten nichts und feierten den 17. Juni, die Ostdeutschen riskierten alles und hatten nichts zu feiern." Was diesen Tag aus Sicht von Ansgar Heveling so bedeutsam macht: "Ohne ihn wäre der 3. Oktober 1990 nicht denkbar gewesen."

"Kommt jetzt der 17. Juni wieder?", habe Erich Mielke als einer der höchsten Repräsentanten des Unrechtsstaates damals gefragt — für Heveling ein Zeichen dafür, wie sehr die Menschen im Juni 1953 die Staatsmacht beeindruckt hatten. Der Tag sei als der erste Prozess der Erhebung gegen die kommunistischen Systeme in Ost-Europa zu deuten. Der Landtagsabgeordnete Lutz Lienenkämper zog folgenden Schluss aus der Geschichte: "Der Freiheitswille eines Volkes ist nicht auf Dauer aufzuhalten."

Mit Sowjet-Panzern sei der Aufstand damals brutal niedergeschlagen worden. Bezüglich der Wiedervereinigung merkte er an: "Es ist ein Geschenk, dass die damals politisch Handelnden die Chance ergriffen und beherzt agiert haben." Die Ausstellung macht aber auch deutlich, wie viel Mut erforderlich war, um vor 60 Jahren gegen das Regime aufzubegehren. Der Besucher dieser Ausstellung erfährt, wenn er sich etwas Zeit nimmt, unter anderem, dass der Spitzelapparat der Stasi nach dem 17. Juni weiter ausgebaut wurde, und dass es keine Hintermänner beziehungsweise Drahtzieher gegeben hatte — die Unruhen waren spontan entstanden. In den DDR-Geschichtsbüchern werde mit hölzernen Floskeln vom Putschversuch feindlicher Agenten berichtet.

Der Eintritt zu der Plakat-Ausstellung im Rathaus in Kaarst ist frei. Weitere Informationen erhalten Interessierte im Internet unter www.kaarst.de, per E-Mail unter info@kaarst.de sowie unter Telefon 02131 987-0.

(NGZ/rl)