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Kaarst: Asperger-Fall: Stadt verliert Prozess

Kaarst : Asperger-Fall: Stadt verliert Prozess

Mehr als ein Jahr nach dem Rauswurf eines psychisch behinderten Kaarsters (19) während seiner Probezeit hat das Arbeitsgericht dessen Klage gegen die Stadt Düsseldorf am Dienstag stattgegeben.

Die Kündigung des Ausbildungsvertrages gerade wegen der Behinderung des Behinderten war diskriminierend. Und die Stadt habe sich auch nicht ausreichend darum bemüht, seine Ausbildung fortzusetzen.

Also hoben die Richter den Rausschmiss nach achtstündiger Verhandlung als unrechtmäßig auf. Demnach soll die Stadt wohl nach neuen Möglichkeiten suchen, den 19-Jährigen doch noch auszubilden. Es sei denn, die Stadt legt Berufung ein und kann das Urteil in der nächsten Instanz beim Landesarbeitsgericht noch kippen.

"Das ist doch ein Unding! So geht man mit Menschen nicht um!" Empört hatte der Vater des Klägers zu Prozessbeginn argumentiert. Der Stadt war bekannt, dass der 19-Jährige am Asperger-Syndrom leidet, einer milden Form des Autismus. 2010 bekam er dennoch einen Ausbildungsvertrag zum Verwaltungsfachangestellten.

Zehn Wochen später musste er aber wieder gehen. Die Stadt befand: Die Behinderung des Klägers habe die Ausbildung stärker belastet, als zunächst angenommen. Laut Gutachten des stadteigenen Gesundheitsamts hätten Ausbilder auf sämtlichen fünf Ausbildungsstationen eigens für den Umgang mit dem Asperger-Syndrom geschult werden müssen. Das nannte die Stadt "unverhältnismäßig" und hielt deshalb an der Kündigung fest.

Zwei Teilnehmerinnen von Vorgesprächen sagten als Zeugen beim Arbeitsgericht, die Stadt habe damals Alternativvorschläge (wie einen Arbeitsassistenten oder ein Arbeitstraining für den 19-Jährigen) schon nicht mehr ernsthaft geprüft. Eine Zeugin: "Egal, was wir vorgeschlagen haben, ich hatte stets das Gefühl, die Stadt habe für sich schon eine Entscheidung getroffen", also den Rausschmiss beschlossen.

Ganz so leicht könne man sich die Kündigung eines Behinderten auch in der Probezeit nicht machen, hatte das Urteil im Prozess erklärt. Die Stadt hätte sich intensiver darum bemühen müssen, den Ausbildungsvertrag mit dem 19-Jährigen tatsächlich einzulösen. Sein Rauswurf wegen des Ausmaßes seiner Behinderung sei eindeutig diskriminierend gewesen. Der Grundsatz, wonach Kündigungen in der Probezeit jederzeit auch ohne Begründung möglich sind, sei deshalb in diesem Fall nicht anzuwenden.

(NGZ)