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Kaarst: "Arbeit wertschätzen"

Kaarst : "Arbeit wertschätzen"

Der gelernte Werkzeugmacher Norbert Blüm weiß, wovon er spricht, wenn er über Arbeit redet. Der frühere Arbeitsminister ist ein Freund deutlicher Worte und darum nächster Redner in der Reihe "Dialog Zukunft", einer Kooperation der VHS Kaarst-Korschenbroich und der Stadt Kaarst. "Ehrliche Arbeit.

Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier" ist das Thema, zu dem er am Mittwoch, 9. November, 20 Uhr, in der Rathausgalerie Kaarst reden wird. Die NGZ sprach mit Blüm vorab über seinen Vortrag.

Herr Blüm, wie definieren Sie "ehrliche Arbeit"?

Blüm Arbeit, die Werte schafft, ist ehrliche Arbeit. Spekulation ist im besten Fall Spiel, im schlimmsten Betrug.

Das Sprichwort "Geld regiert die Welt" ist schon sehr alt. Hat die Gier zugenommen und wenn ja, wodurch wurde dies ausgelöst?

Blüm Nie konnte man mit Geld so viel Geld verdienen wie heute. Eine Firma zu verkaufen, bringt mehr Geld als in der Firma zu produzieren. Die Finanzwirtschaft ist der Realwirtschaft davongelaufen.

Wie konnte es dazu kommen, dass der arbeitende Mensch im Wirtschaftssystem eine so schwache Position einnimmt?

Blüm Die Arbeit ist lokal, die Finanzen spielen global. Der Nationalstaat kann die Arbeit nicht mehr ausreichend gegen Ausbeutung schützen. Wir brauchen globale Sozialstandards und -regeln.

Hat man als Arbeitnehmer, der seinen Job gut macht, Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken?

Blüm Dazu bedarf es einer Renaissance der Wertschätzung der Arbeit. Arbeit muss sich mehr lohnen als "Geldspiele". Arbeitnehmer und Mittelstand müssen sich verbinden. Sie leiden beide unter der Habgier der Geldspieler.

Gibt es eine Chance, die Gier wieder auf ein erträgliches Maß zu reduzieren?

Blüm Ja! Es beginnt in Familie und Schule. Das Glück des Menschen besteht nicht einzig und allein in Lebensstandardsteigerung. Hinzu kommt: Politik muss der Finanzwirtschaft Zügel anlegen. Europa muss einen politischen und wirtschaftlichen Ordnungsrahmen bilden.

Was muss die Politik vordringlich tun, um dem Faktor Arbeit wieder zu einem höheren Stellenwert zu verhelfen?

Blüm Investbanken von Geschäftsbanken trennen. Finanztransaktionensteuer einführen. Ratingagenturen bändigen. Risiko und Haftung in der Großwirtschaft wieder aneinander koppeln. Manager dürfen nicht nur an Gewinnen profitieren, sondern müssen bei Versagen auch haften, so wie das jeder Mittelständler seit eh und je muss.

Beneiden Sie angesichts der aktuellen Herausforderungen die aktuelle Arbeitsministerin? Und: Würden Sie die "ehrliche Arbeit" eines Arbeitsministers in diesen Zeiten noch einmal machen wollen?

Blüm Die erste Frage beantworte ich mit "Nein", die zweite mit "Ja". (Sie stellt sich aber nicht.)

Info Karten (10 Euro) unter Tel. 02131 963945 und an der Abendkasse

(NGZ)