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Kaarst: Anzeige gegen "Mr. Mondän"

Kaarst : Anzeige gegen "Mr. Mondän"

Weil Aktions-Künstler Frank Jülich an seinem Stand beim Stadtfest "Kaarst Total" anstatt eines Warengutscheins einen Geldgewinn auslobte, zeigte ihn das Ordnungsamt wegen illegalen Glücksspiels an.

Eine Brücke zwischen Neumarkt und Maubiszentrum, eine Unterwasser-Reibekuchenbude, ein 13 Meter großer Osterhase aus Stofftieren — wann immer es in Kaarst um abgedrehte Kunst im öffentlichen Raum und Größe im Sinne vom Dimension geht, wird ein Name genannt: Frank Jülich, Dachdecker aus Holzbüttgen, bezeichnet sich selbst als "Mr. Mondän" und ist eigentlich stolz auf seine Heimatstadt. Seit dem Stadtfest "Kaarst Total" fürchtet der 47-Jährige allerdings nicht nur um seinen Ruf, sondern auch um seine berufliche Existenz. Schuld daran, sagt Jülich, ist das Kaarster Ordnungsamt.

Das Problem: In Anlehnung an das WM-Fußballfieber hatte "Mr. Mondän" die "Kaarst Total"-Besucher aufgefordert, gegen Zahlung eines kleinen Betrags zu versuchen, einen Fußball in eine laufende Mischmaschinentrommel zu schießen. Die Einnahmen sollten an die neu gegründete "Senioren Initiative Kaarst" gehen. Als Anreiz lobte Jülich den Gewinn eines Gutscheins über 50 Euro aus. Und das war der Knackpunkt.

Drei Stunden vor Ende des Stadtfestes, sagt Jülich, seien zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Begleitung von Polizeibeamten zum Fußball-Stand gekommen. Unter den Blicken von gut 150 Besuchern seien die Polizeibeamten aufgefordert worden, ihn zu verhaften. Der Vorwurf der Ordnungshüter: Die Aktion sei eine Form illegalen Glückspiels und damit eine Straftat. "Anstelle eines Gutscheins über 50 Euro hätte dort stehen müssen ,Gutschein im Warenwert von 50 Euro'", sagt Frank Jülich. Das habe man ihm aber erst hinterher erklärt. Eine Anzeige wurde aufgenommen und steht noch im Raum. Jülich ist entsetzt über die Vorgehensweise: "Das war wie ein Überfall".

Die Stadt Kaarst dagegen weist alle Vorwürfe von sich. Schon im Vorfeld von "Kaarst Total" habe der Veranstalter Bedenken gegen die Fußballaktion geäußert, heißt es. Diese Bedenken habe das Ordnungsamt geteilt und deshalb die Geschäftsführerin der Firma von Frank Jülich in zwei Gesprächen sowohl auf die jugendschutzrechtliche als auch auf die gewerbe- und glücksspielrechtliche Problematik aufmerksam gemacht. Daraufhin sei zugesichert worden, anstelle eines Geldgewinns einen Warengutschein beziehungsweise einen Sachpreis unterhalb eines Wertes von 60 Euro als Preis einzusetzen. Das sei nicht geschehen.

Frank Jülich sagt, der Vorfall sei für ihn zur Existenzfrage geworden. Seine berufliche und private Zukunft als Künstler, Handwerksmeister und Familienvater stehe auf dem Spiel. Bürgermeister Franz-Josef Moormann habe auf die Bitte um ein Gespräch nicht reagiert. Deshalb, sagt Jülich, sei jetzt die Kommunalaufsicht eingeschaltet. Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst.

(NGZ)