Kaarst: Amprion schickt Fachleute nach Kaarst

Kaarst: Amprion schickt Fachleute nach Kaarst

Für die Diskussion über den möglichen Bau eines Stromkonverters auf Kaarster Stadtgebiet wird zum ersten Mal eine Sitzung des Planungsausschusses mit einer Bürgerinformationsveranstaltung kombiniert. Termin ist in drei Wochen.

Am 24. September wird es spannend: Dann steht das Thema "Konverter" ganz oben auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Bürger sowie die Initiative gegen den Konverter werden dann die Gelegenheit haben, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern. Die Bürgerinitiative sammelt indes fleißig Unterschriften gegen die geplante 390-Millionen-Euro-Investition von Amprion, die aus Gleichstrom Wechselstrom machen soll und umgekehrt. Es gibt viele Bedenken gegen diese Technik, sie reichen vom enormen Flächenverbrauch über die Verschandelung des Landschaftsbildes bis hin zu gesundheitlichen Risiken.

Der Technische Beigeordnete der Stadt Kaarst, Manfred Meuter, geht davon aus, dass noch diese Woche im Verwaltungsvorstand Einzelheiten zu der Sitzung am 24. September festgelegt werden. "So etwas hatten wir bislang noch nicht - die Kombination einer Ausschusssitzung und einer Bürgerinformationsveranstaltung", erklärte Meuter. Wo diese Veranstaltung stattfinden wird, soll ebenfalls im Laufe dieser Woche entschieden werden.

Fest steht dagegen schon, dass von Amprion kompetente Gesprächspartner vor Ort sein werden, sie haben ihr Kommen bereits zugesagt. Der Verwaltung liegen auch die Antworten von Amprion vor auf die Fragen, die im Rat und von der Bürgerinitiative formuliert worden waren. Ist der Beigeordnete mit den Antworten zufrieden? "Ich möchte zu diesem Zeitpunkt keine Wertung abgeben, aber bei einigen Antworten muss man sicherlich nachfragen", erklärte Meuter. Insgesamt 27 Fragen, darunter solche wie "Verursacht ein Konverter schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes?" "Existieren bereits vergleichbare Konverter und in welcher Größenordnung werden sie betrieben?" "Ist es technisch möglich, die Bauwerke oder Bauteile eines Konverters ganz oder zum Teil unterirdisch anzulegen?", waren über den Landrat an Amprion weitergeleitet worden.

Jochen Thiel ist Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen den Konverter Kaarst/Büttgen/Bauerbahn. Der 76-jährige Jurist befürchtet unter anderem Gesundheitsrisiken. Außerdem verbrauche so ein Großkonverter rund 100 000 Quadratmeter Natur, wobei berücksichtigt werden müsse, dass die Stadt Kaarst die geringste Fläche aller Gemeinden im Rhein-Kreis Neuss habe. Darüber hinaus scheint es seiner Meinung wenig Erfahrungen im Umgang mit dieser Technik zu geben: "Amprion beruft sich im Wesentlichen auf Studien und auf Erfahrungen von anderen Netzbetreibern", sagt Thiel. Für ihn ist keiner der vier möglichen Standorte in Kaarst geeignet. Den Optimismus, den Amprion im Zusammenhang mit der Umsetzung dieser Technik zeige, könne er nicht teilen. Er habe jüngst gelesen, dass sich ein Konverter "in einem Windpark in der Nordsee mit Blitz und Knall verabschiedet hat. Die Ursache ist bislang ungeklärt. Der Vorfall gibt Elektrotechnikern Rätsel auf."

Dass so ein Großkonverter überflüssig sei - so weit möchte der Vorsitzende der Bürgerinitiative nicht gehen. Von der Landesregierung in Düsseldorf erwartet sich Jochen Thiel jedoch nicht viel: "Der Konverter wird ja nicht nur den aus Windenergie in der Nordsee erzeugten Strom umwandeln, sondern auch den Strom, der von den Kohlekraftwerken nach Süddeutschland fließen soll."

(NGZ)
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