Kaarst: Amprion-Chef glaubt an Konverter in Kaarst

Kaarst : Amprion-Chef glaubt an Konverter in Kaarst

Im Gespräch mit unserer Zeitung betont Geschäftsführer Hans-Jürgen Brick die Bedeutung des Projekts.

Der Druck ist enorm, zeitlich wie finanziell. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion will sein 400-Millionen-Euro-Konverterprojekt (entspricht einem Jahresinvestitionsvolumen) auf Kaarster Stadtgebiet realisieren. Das hat Amprion-Geschäftsführer Hans-Jürgen Brick im Gespräch mit unserer Zeitung jetzt noch einmal betont. "Wir werden einen entsprechenden Antrag stellen und in einem demokratischen Verfahren alle Möglichkeiten ausschöpfen", sagt er. "Selbstverständlich suchen wir nach einer möglichst schonenden, für die Bevölkerung akzeptablen Lösung. Ohne Akzeptanz werden wir nicht bauen können." Am Ende entscheide jedoch die Bundesnetzagentur.

Zur Erklärung: Zur Einbindung der Gleichstromleitung von Osterath nach Baden-Württemberg will Amprion auf der sogenannten Kaarster Dreiecksfläche - an der Grenze zu Meerbusch, zwischen A 57, Bahnlinie und L 30 - einen Konverter errichten, der Strom aus konventionellen Kraftwerken in Gleichstrom wandelt. 2019 soll das Atomkraftwerk Philippsburg vom Netz gehen. Bis dahin müssen Leitung und Konverter stehen. Mit dem Bau soll spätestens 2018 begonnen werden. "Wir haben einen staatlichen Auftrag, nämlich den, in Deutschland ein bedarfsgerechtes und stabiles Stromnetz weiterzuführen", sagt Brick. Sollte das nicht gelingen, sei die Versorgungssicherheit in Gefahr.

Der Spannungsumwandler benötigt eine Fläche von 360 mal 270 Metern. Die Hallen sind rund 18 Meter hoch. Im gültigen Regionalplan ist die wegen der Entfernung zur geschlossenen Wohnbebauung (circa 1000 bis 1300 Meter, je nach Standort) favorisierte Dreiecksfläche als "Bereich für Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze" ausgewiesen. Dort sollen Sand und Kies gewonnen werden. Ein entsprechender Antrag des Unternehmens ACL liegt vor und ist quasi genehmigungsreif. Diese Zuordnung müsste erst revidiert werden, ehe das Gelände tatsächlich für einen Konverter genutzt werden kann. Dafür muss entweder der Regionalplan geändert oder ein Zielabweichungsverfahren eingeleitet werden. Letzteres, sagt Amprion-Sprecher Thomas Wiede, sei eigentlich der einfachere Weg, könne jedoch erst vorbereitet werden, wenn die Bundesnetzagentur 2016 ins Planfeststellungsverfahren gehe. "Derzeit machen wir unsere Hausaufgaben." Auf der einen Seite seien Gespräche mit den Grundstückseigentümern im Gang, auf der anderen werde an der Stellungnahme zur Regionalplanänderung gearbeitet. Bis März muss diese vorliegen.

Technisch gesehen, betont Thorsten Mikschaitis von Amprion, sei das Konverter-Projekt auf Kaarster Boden kein Problem. Die Anlage würde über eine Stichleitung oder mit einer Überspannleitung über die Auskiesunsgewässer an die bestehende Stromtrasse angeschlossen. Nötig sei dazu lediglich ein neuer Abzweigmast, keine zusätzliche Trasse. Gefahren gingen von dem Konverter nicht aus. "Der größte anzunehmende Unfall ist, dass die Anlage ausfällt", sagt Mikschaitis. Der von den externen Lüftern ausgehende Lärm werde bestmöglich unterdrückt. "700 Meter entfernt hört man nichts mehr."

(NGZ)
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