Kaarst: Altenheim wird Seniorenstift

Kaarst: Altenheim wird Seniorenstift

Büttgen Wer das Aldegundis-Altersheim in seiner jetzigen Form noch einmal sehen will oder in der Kapelle ein stilles Gebet verrichten möchte, muss sich beeilen.

Denn unmittelbar nach dem großen Fest zum 100-jährigen Bestehen des Heimes, das am kommenden Samstag mit einer Dankmesse und einem Empfang um 11 Uhr im Pfarrzentrum gefeiert wird, kommen die Bagger.

Die Leute vom Bau werden dann ein weiteres Kapitel in der bewegten Geschichte des Heimes aufschlagen.

Alles begann mit der Gründung des Vereins am 12. August 1906 als Schwesternheim, zeitweise Altersheim und Krankenhaus war und künftig als ein modernes Seniorenstift in das zweite Jahrhundert gehen wird.

Auf dem Gelände St. Aldegundis sollen insgesamt über zehn Millionen Euro investiert werden.

Investoren sind die Caritas und die Firma Lichius. Im ersten Bauabschnitt entstehen 26 Wohnungen, die für betreutes Wohnen eingerichtet werden.

Die Veränderungen im Altenheim St. Aldegundis, die ab kommendem Samstag anstehen, sind allerdings keineswegs die ersten in der Geschichte des Hauses.

Es begann vor 100 Jahren. "An unsere Mitbürger" war der Appell gerichtet, den Bürgermeister Robert Grootens und Pfarrer Hermann-Josef Rüssel im Juli 1906 in Büttgen veröffentlichten.

Mit patriotischer Begeisterung riefen die beiden die Bürger dazu auf, einen Verein zur Trägerschaft eines Schwesternheimes "vornehmlich zur Übernahme der Krankenpflege im Hause des Erkrankten" zu gründen.

Als "Anschubfinanzierung" hatte der Gemeinderat bereits die damals beträchtliche Summe von 3 000 Mark zur Verfügung gestellt.

Das Vorhaben war vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Gemeinde Büttgen zum damaligen Zeitpunkt knapp über 3 000 Einwohner zählte, ganz schön mutig.

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Den eigentlichen Anstoß hatte die Silberhochzeit des deutschen Kaiserpaares gegeben, das gebeten hatte, auf Geschenke zu verzichten und statt dessen mildtätige Stiftungen ins Leben zu rufen.

Hinzu kam noch, dass Klöster und Krankenhäuser aus den Städten häufig auf dem Lande um Spenden zur Aufrechterhaltung der Institutionen baten.

Grootens Überlegung war es, "eigene Schwestern" in der Gemeinde anzusiedeln, um die soziale Versorgung in den Büttgener Ortsteilen in Krankheitsfällen sicherzustellen.

Nach einer Zwischenlösung an der Gladbacher Straße wurde schließlich am 13. August 1911 das "eigene Schwesternheim mit fließendem Wasser, Elektrizität und Zentralheizung" an der Driescher Straße mit einem großen Fest eingeweiht.

Nach der Endabrechnung kostete das Schwesternheim 66 000 Mark.

Die große Zeit des Aldegundis-Heims kam, als das Haus seit dem 13. Juli 1925 als 30-Betten-Krankenhaus geführt wurde, das sich großer Beliebtheit erfreute.

Diese Periode endete erst 1974 mit der Schließung der bis zuletzt betriebenen HNO-Abteilung. Verschiedene An- und Umbauten im Laufe der Jahre haben heute das ursprüngliche Gesicht des Komplexes völlig verändert.

Nachdem 1981 die Neusser Augustinerinnen aus Schwesternmangel die Führung des Hauses aufgeben mussten und die Caritas an ihre Stelle trat, zeigten sich immer mehr die baulichen Defizite der einzelnen Bauphasen durch unterschiedliche Flurhöhen und Niveau-Unterschiede.

Um einen reibungslosen technischen Ablauf sicherzustellen, wird daher der 1957 errichtete Anbau unmittelbar nach der 100-Jahr-Feier abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt.

(NGZ)
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