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Kaarst: Als Fotojournalist die halbe Welt bereist

Kaarst : Als Fotojournalist die halbe Welt bereist

Der ehemalige dpa-Chefreporter und Fotograf Heinz Bogler wird für 60 Jahre Mitgliedschaft im Deutschen Journalistenverband geehrt.

In New York hat er am liebsten fotografiert. "In dieser Stadt muss man nur auf den Auslöser drücken und hat immer ein tolles Bild", erzählt Heinz Bogler. Der ehemalige Bildberichter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wird am 20. Juli vom Deutschen Journalistenverband für 60 Jahre Mitgliedschaft im Landesverband NRW ausgezeichnet. "Fotografieren war meine Leidenschaft. Zudem konnte mit meinen Bildern nach dem Krieg gut Geld verdienen", sagt Bogler, der am 4. August seinen 88. Geburtstag feiert und mittlerweile im Johanniter-Stift Kaarst lebt.

Als erster Chefreporter der Deutschen Presse-Agentur hat der damals 20-Jährige die journalistische Berichterstattung nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mitgestaltet. "Sein Talent bekam mein Vater in die Wiege gelegt", sagt Tochter Anja Bogler. Großvater Heinrich Bogler betrieb in Frankfurt ein renommiertes Portrait-Atelier und Vater Heinz Bogler hatte sich auf technische Fotografie spezialisiert. Sein Sohn machte eine Ausbildung bei Paul Wolf in Frankfurt, der als Pionier der Leica-Fotografie galt. So war es nicht weiter verwunderlich, dass auch sein "Volontär" Heinz Bogler als "Meister der Leica" für hervorragenden Umgang mit der Kleinbildkamera bekannt war.

Bei der dpa in Hamburg lernte der Porsche-Liebhaber 1954 seine Frau Jutta kennen. Für einen dpa-Auftrag reiste er auch zum ersten Mal in seine spätere Heimatstadt Neuss: "Ich sollte das erste Schützenfest nach dem Krieg fotografieren", erzählt er. Die dpa versetzte Bogler wenig später nach Düsseldorf. Doch der Bild-Journalist entschied sich gegen eine weitere Festanstellung und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. Es folgten Aufträge für Lufthansa und Henkel, Titelfotos für Stern, Spiegel und Brigitte, Reisereportagen und Fotos von Prominenten wie Louis Armstrong, Zarah Leander, Johannes Heesters, Peter Alexander, Udo Jürgens oder Roberto Blanco.

Als 1960 Tochter Anja zur Welt kam, zog die kleine Familie aus Düsseldorf in ein Haus in der Pomona, das seine Tochter heute bewohnt. "Neuss war mein Rückzugsort. Dort konnte ich durchatmen und für meine Familie da sein", sagt der Fotograf. Mit Kamera und Stativ bereiste Bogler die Welt — dokumentierte für die Lufthansa Eröffnungsflüge in den USA und fotografierte Reportagen und Modestrecken unter anderem auf Bali, in Hongkong, Bolivien und Peru, manchmal in Begleitung seiner Frau Jutta, die 2000 an Alzheimer erkrankte.

"Bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 hat mein Vater sie zu Hause gepflegt", erzählt Tochter Anja Bogler. Durch eine Makuladegeneration ist Heinz Bogler heute fast blind. Die Fotokamera zückt er deshalb nicht mehr. Geblieben sind ihm die Bilder im Kopf. Sein Lieblingsmotiv? "Meine Frau nach der Geburt meiner Tochter Anja", antwortet der Jubilar. "Er war im Kreissaal — damals für einen Vater äußerst ungewöhnlich — und hat meine ersten Tage mit der Kamera dokumentiert", erzählt Anja Bogler.

(rom)