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A 52: Rückschlag für Kaarst im Kampf um Lärmschutz

A 52 in Kaarst : Rückschlag im Kampf um Lärmschutz

Straßen.NRW hat der Stadt ernüchternde Ergebnisse zum Lärmschutz vorgelegt. Die Kaarster Politiker sind maßlos enttäuscht. Die Technische Beigeordnete überlegt, ob sich die Stadt an den Kosten beteiligt.

Seit sechs Jahren versucht die Stadt Kaarst, Lärmschutzmaßnahmen entlang der A 52 zu erreichen. Der Traum, dass sich dort etwas zum Vorteil der Menschen, die in der Nähe dieser Verkehrsachse wohnen, tut, ist jetzt wie eine Seifenblase zerplatzt. Der zuständige Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling (CDU) hatte den damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kontaktiert, im Anschluss waren aufwändige Lärmmessungen durchgeführt worden. Das Ergebnis ist ernüchternd. Straßen.NRW kommt zu dem Ergebnis: Nördlich der A 52 sind keine Überschreitungen der Lärmgrenzwerte festgestellt worden. Südlich der A 52 stellte Straßen.NRW nur geringe Nachtwertüberschreitungen von maximal 1,4 dB(A) fest, und das auch nur in acht Gebäuden: an der Perleberger Straße 20 bis 27, und dort auch nur im zweiten Obergeschoss. Für Verärgerung im Planungs- und Verkehrsausschuss sorgte der lapidare Satz im Schreiben von Straßen.NRW: „Die betroffenen Gebäude an der Perleberger Straße wurden alle nachträglich der Autobahn errichtet. Somit besteht für diese Gebäude aus lärmtechnischer Sicht auch kein Anspruch auf aktive beziehungsweise passive Lärmschutzmaßnahmen.“

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In ähnlich gelagerten Fällen habe auch das Bundesverkehrsministerium Lärmschutzmaßnahmen abgelehnt. „Ich kann das überhaupt nicht begreifen“, sagte Herbert Palmen (SPD). „Es gab bereits Baugebiete, die vor der Autobahn da waren, zum Beispiel an der Karlsforster Straße“, gab Heinrich Hannen (Die Grünen) zu bedenken. Und er erklärte, dass zunehmende Nordwinde den Lärm öfter als früher in die Wohnbebauung südlich der Autobahn hineintragen. Er beklagte, dass es nicht wenigstens eine Geschwindigkeitsbeschränkung während der Nachtstunden gebe.

Claudia Köppe (Die Grünen) äußerte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Haltung von Straßen NRW: „Man sollte sich in diesem Fall juristischen Rat einholen.“ Die Technische Beigeordnete Sigrid Burkhart nannte eine mögliche Voraussetzung, um doch noch an einen Lärmschutz zu kommen: „Es ginge eventuell, wenn sich die Stadt an den Kosten beteiligen würde.“

Die Anwohner fassen den Lärm ganz unterschiedlich auf. Viele bekommen gar nicht mit, dass sie neben einer Autobahn wohnen, einige jedoch beschweren sich massiv über den Lärm. „Wir wohnen nicht ganz so nah an der Autobahn, hören sie aber je nach Windrichtung doch noch. Allerdings empfinden wir das nicht als störend“, sagt Sabine Kühl unserer Redaktion. Allerdings ist sie der Meinung, dass Kaarst eine Lärmschutzwand an der A 52 gut tun würde: „Lärm macht krank“, sagt sie. Vor allem auf dem Friedhof empfindet Kühl den Autobahnlärm als störend. „Es gab schon Beisetzungen, bei denen ich kein Wort verstanden habe, obwohl ich nur rund fünf Meter entfernt vom Redner gestanden habe. Dort ist es wirklich laut“, sagt sie: „Natürlich stört es die dort Liegenden nicht, aber für Besucher, die dort in Gedenken inne halten, ist es schon sehr störend. Ein Platz der Ruhe ist unser Friedhof wahrlich nicht.“ Die Argumentation einiger Kaarster, dass die Autobahn doch schon lange vor den Wohngebieten da war, ist zwar richtig, jedoch ist auch der Verkehr früher nicht so gebündelt gewesen wie heute.