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Kaarst: 30 Jahre Grüne in Kaarst

Kaarst : 30 Jahre Grüne in Kaarst

Als sich 1982 in der Gaststätte Hannen einige junge Kaarster zur Partei "Die Grünen" zusammenfanden, wurden sie allerorten gerne auch als Spinner abgetan. Heute ist ihr Wahlergebnis zweistellig.

Der Stadtverband Kaarst der Grünen feiert in 2012 sein 30-jähriges Bestehen. Auftakt zum Festjahr bildet der Neujahrsempfang am kommenden Montag. Darüber hinaus möchte die Partei 30 Bäume in Kaarst pflanzen, der jährliche Fotowettbewerb widmet sich ebenfalls der 30.

Am eigentlichen Geburtstag ist ein weiterer Empfang geplant. Der fällt auf den 24. März — 1982 gründete sich die Partei in der Gaststätte Hannen am Bahnhof Kaarst. Zuvor gab es bereits eine kleine Gruppierung, die ihre Arbeit nun auf Parteiebene hieven wollte.

Ein Anstoß war der Einsatz für den Erhalt der Bäume an der Bismarckstraße, die für eine Verbreiterung der Straße gefällt werden sollten. Es wurde auch der erste Erfolg der jungen Partei. "Es war ein gutes Thema, zu dem Leute mobilisiert werden konnten. Ein Gutachten sagte, die Bäume seien krank. Aber sie stehen noch heute", erzählt Christian Gaumitz. Der aktuelle Fraktionsvorsitzende war damals drei Jahre alt.

Bereits an vorderster Front kämpfte Claude Köppe. Anfangs wurde man in der Öffentlichkeit belächelt. "Wir wurden als grüne Spinner bezeichnet, die wieder in die Realität geholt werden müssten", erzählt Köppe, die auch jetzt im Stadtrat sitzt.

Im Jahr 1984 zogen die Grünen mit über zwölf Prozent der Stimmen erstmals in den Stadtrat ein. Mit der Forderung nach einer auf den Bus abgestimmten Anbindung von Driesch und Vorst an die S-Bahn und den Ausbau der Kaarster Bahnverbindung nach Düsseldorf (statt Stilllegung) konnten sie die Wähler für sich gewinnen.

Es folgte aber bald die erste interne Krise. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und der fehlenden Unterstützung durch die Basis trat Dieter Sommer als Fraktionsvorsitzender zurück. Vor der Kommunalwahl 1999 kam es zum großen Bruch innerhalb der Partei. Die Jugend rebellierte gegen die Fraktion.

Bei der Kandidatenaufstellung setzten sich die jungen Christian Gaumitz und Mark Michael gegen die Ratspolitiker durch. Dafür konnten die Jugendlichen auch die "alten Grünen" wie Claude Köppe für sich gewinnen, die mit der Situation unzufrieden waren. Der Ärger sorgte für das schlechteste Wahlergebnis der Grünen mit genau fünf Prozent.

Zehn Jahre später wurde mit 12,7 Prozent schließlich das beste Ergebnis aller Zeiten erreicht. Rückblickend resümieren die Kaarster Grünen, dass viele ihrer Ideen erst Jahre später in der Politik eine Mehrheit fanden. "Bereits zur Kommunalwahl 1989 haben wir eigene Stadtwerke gefordert. Damals wollten die anderen nicht einmal ein Gespräch darüber führen", weiß Gaumitz.

Dass es intern wieder zu einer Krise wie 1999 kommen könnte, glaubt er nicht: "Wir haben jetzt eine grüne Jugend, die selbstständig arbeiten kann und von uns offensiv unterstützt wird. Wir nehmen ihre Kritik ernst und binden sie in die Fraktionsarbeit ein". Für die Zukunft möchten die Grünen ihr Auftreten und ihre Inhalte stetig professionalisieren und neue Mitstreiter gewinnen, die Zeit in grüne Politik investieren möchten.

(NGZ)