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19. Drehorgelfest in Büttgen

Drehorgelfest in Büttgen : Acht Drehorgeln wecken so manche Erinnerung

Auch das 19. Drehorgelfest zog viele neugierige Besucher an. Die Händler hatten ihre Geschäfte geöffnet.

War das schön: Ein Drehorgelfest bei sommerlichen 25 Grad, mit acht Drehorgeln und rund doppelt so vielen Buden und Ständen sowie einem verkaufsoffenen Sonntag – und sehr vielen Besuchern. Brigitte und Hubert Schlabbers aus Holzbüttgen hatten wie immer den Kontakt zu den Drehorgelspielern hergestellt und ihre eigenen Drehorgeln mitgebracht. Zum ersten Mal dabei: „Die Orgelbrüder“ aus Marl und Rorup. Berni Rennebaum (70) und Robert Wieskus (78) staunten, wie viele Besucher beim Anorgeln um 11 Uhr bereits da waren. Sie nutzten in ihren antik wirkenden Orgeln mit dem modernen Innenleben die Elektronik, die für ein total synchrones Spiel sorgt. Worauf das Drehorgel-Duo Günther und Agnes Sickenberg schon ein bisschen stolz ist: „Das ist jetzt das 19. Büttgener Drehorgelfest oder wir haben kein einziges ausgelassen“, erklärte der rüstige 80-Jährige aus Dülmen.

Was ihn motiviert, sich mit seiner Frau ins Auto zu setzen und die rund 100 Kilometer zurückzulegen: „Wir schenken den Menschen sehr viele Glückshormone.“ Vor 200 Jahren habe es 1000 Drehorgelspieler in Berlin gegeben. Diese Zahl habe drastisch abgenommen, als Bismarck die Sozialrente eingeführt hatte. Auf fast jeder Drehorgel stand neben einem Plüschaffen, der sich bewegte, ein Teller für Spenden. Längst haben es die Drehorgelspieler nicht mehr nötig, durch ihr Spiel zum Lebensunterhalt beizutragen. Kurt Mischak, der gemeinsam mit Bernhard Benjamin als „Curtinus, der Drehorgelmann“ und „Bebe“ auftrat, hatte ein Schild auf seiner Drehorgel: „Für die Krebshilfe“, stand da geschrieben.

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Anni Müller von der Ökumenischen Tschernobylhilfe Kaarst-Büttgen und der Vorsitzende des Arbeitskreises „Heimatkundliche Schriftenreihe“ hatten eine Gemeinsamkeit: Beide waren am Samstag auf dem Oktoberfest gewesen, beide boten gestern ihre so unterschiedlichen Produkte feil. Anni Müller hatte eine tüchtige Helferin, die zehn Jahre alte Busra. Dagmar Stelter aus Mönchengladbach hatte den ganzen Sommer über gebastelt und gewerkelt. Sie verkaufte gestern die ersten Weihnachtsmänner aus Holz, und ließ sie folgendes sagen: „Der Spekulatiusmarkt ist am 2. Advent, also nach Nikolaus. Deshalb sind wir Nikoläuse heute schon da.“ Dagmar Steinof aus Osterath verkaufte selbstgemachte Konfitüren, Liköre und Essig sowie Honig eines Hobbyimkers aus Viersen.

(barni)