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Kaarst: 16 Herzschrittmacher in 48 Jahren

Kaarst : 16 Herzschrittmacher in 48 Jahren

1963 bekam Helga Heinzmann ihren ersten Herzschrittmacher implantiert. Damals war sie 22 Jahre alt. Es folgten 15 weitere Operationen. Die Technik und ihr Arzt haben der heute 70-Jährigen ein nahezu normales Leben ermöglicht.

Als das Unternehmen Metronic in Meerbusch-Osterath jetzt groß feierte, war auch die Kaarsterin Helga Heinzmann eingeladen. Die 70-Jährige war eine der Ersten, die 1963 einen Metronic-Herzschrittmacher eingesetzt bekam.

Damals war sie 22 Jahre alt. Der Arzt, der die ungeheuer komplizierte Operation vornahm, hieß Heinz-Joachim Sykosch. Auch er, mittlerweile 85 Jahre alt und ein Wegbereiter bei der Versorgung von Patienten mit Herzschrittmachern, gehörte zu den geladenen Gästen in Osterath.

Helga Heinzmann, eine zierliche, lebendige Frau, die 15 Jahre lang als Sekretärin im Pfarrbüro von St. Martinus gearbeitet hat, erinnert sich: "Ich war 22 Jahre alt, kannte kaum eine Arztpraxis von innen, als ich plötzlich beim Abtrocknen umkippte." Diese Ohnmachtsanfälle häuften sich, im September 1963 bekam sie ihren ersten Herzschrittmacher implantiert. Damals ahnte sie noch nicht, dass weitere 15 folgen sollten.

Die ersten Schrittmacher waren so groß, dass sie im Bauchraum untergebracht werden mussten. Die Elektroden mussten an das Herz angenäht werden. Vermutlich eindringende Körperflüssigkeit legte das Gerät schon bald lahm. Sykosch, der vor genau 50 Jahren als Assistenzarzt den ersten Herzschrittmacher bei einem Menschen einsetzte, half mit, die Fehler auszumerzen.

Er hat mit den Entwicklern von Waschmaschinen ebenso gesprochen wie mit Goldschmieden, um die Technik der Herzschrittmacher zu verbessern. Langsam aber sicher wurde der Arzt fast zu einem Bestandteil der Familie Heinzmann.

Sykosch war sicherheitshalber auch mit dabei, als die aus Düsseldorf stammende Helga Heinzmann ihre beiden Söhne, heute 45 und 43 Jahre alt, zur Welt brachte. Die 70-Jährige schwärmt noch heute von den fachlichen und menschlichen Qualitäten dieses Ausnahme-Mediziners, der am Heerdter Krankenhaus wirkte. Er hat es ihr ermöglicht, ein nahezu normales Leben zu führen.

Helga Heinzmann, deren Herz ohne Schrittmacher zeitweise nur achtmal in der Minute schlug, fährt Auto und Fahrrad, geht gerne schwimmen, freut sich über die zwei Enkel — und sie ist begeisterte Trier-Pilgerin. Das Auswechseln der Herzschrittmacher ist im Laufe der Jahre sehr viel leichter geworden.

Seit Jahren lässt sie diese Eingriffe in der Düsseldorfer Universitätsklinik vornehmen. Der letzte Herzschrittmacher wurde ihr vor drei Jahren implantiert, und zwar bei örtlicher Betäubung. Zur Routinesache sind die Operationen für Helga Heinzmann jedoch nie geworden.

(NGZ)