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Jüchen: Wochenlang ohne Internet und Telefon

Jüchen : Wochenlang ohne Internet und Telefon

Seit dem 19. Dezember hatten Scherfhausen und das Nikolauskloster mit dem Hauptbüro des Obsthofes Kallen keine Internet- und Festnetzverbindung. Tägliche Beschwerden von Klosterchef Pater Felix gingen bei der Telekom ins Leere.

Absolut von der Außenwelt abgeschnitten, ohne Internet- und Festnetzverbindung, waren seit dem 19. Dezember Teile von Scherfhausen, das Hauptbüro des Obsthofes Kallen und das Nikolauskloster. Über tägliche Anfragen bei der Telekom mit Wartezeiten bis zu einer halben Stunde, bis sich überhaupt ein Mitarbeiter in der Hotline meldete, ungezählte Beschwerden, die allesamt in die Leere gingen, ärgert sich Klosterchef Pater Felix Rehbock. Zwar sei das Kloster natürlich als ein Ort der Stille gedacht: "Wir sind als Nikolauskloster aber eine öffentliche Einrichtung. Das habe ich versucht, der Telekom klar zu machen, aber es hat nichts genutzt", beklagt der Pater bitter.

Betroffen von dem offensichtlich großräumigen Internet- und Festnetzausfall war auch das Hauptbüro des Obsthofes Kallen. "Wir konnten keinerlei Bestellungen übers Internet annehmen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mit dem Büro nach Glehn in unseren Hof umziehen muss. Wenn wir diesen Netzausfall in der Hauptsaison gehabt hätten, wäre unser wirtschaftlicher Schaden noch viel größer gewesen", sagt Ursula Kallen.

Auch dem Nikolauskloster ist mit seinem Beherbergungsbetrieb ein Schaden entstanden, den Pater Felix noch nicht komplett überblicken kann: "Ich arbeite mich jetzt durch die unzähligen E-Mails, die seit dem 19. Dezember nicht beantwortet werden konnten. Normalerweise bekommen wir im Nikolauskloster 200 Telefonanrufe am Tag und mindestens so viele E-Mails." Fatal sei der Ausfall vor allem über die Feiertage gewesen: "Wir vertreten dann auch die Gemeindepfarrer der Region zum Beispiel bei Sterbefällen und bei Besuchen von Schwersterkrankten. Wir waren aber noch nicht einmal für die Notfälle erreichbar", bedauert der Geistliche und fügt hinzu: "Wir haben sogar in der Kirche verkündet, dass wir kein Telefon und kein Internet haben. Gottesdienstbesucher haben uns ihre Hilfe angeboten, wir könnten zu ihnen nach Hause fahren, um von dort E-Mails zu schicken oder zu telefonieren", berichtet Felix Rehbock. Denn auch der Handygebrauch sei im Nikolauskloster nur sehr eingeschränkt möglich: "Es gibt nur bestimmte Stellen im Park, wo wir je nach Windrichtung Handyempfang haben." Was Pater Felix allerdings am meisten geärgert hat: "Man läuft bei der Telekom absolut ins Leere. Die Mitarbeiter an der Hotline sind zwar alle geschult und durchweg sehr freundlich. Hilfe gab es aber während der ganzen Zeit keine. Und schlimmer noch: Es wurde auch offen zugegeben, dass meine Beschwerden nichts nützen würden", beklagt Pater Felix. Erst ganz am Ende seiner täglichen Vorsprachen bei der Telekom sei er "bei einer netten Dame" gelandet, die ihn über die Möglichkeit einer Rufumschaltung informiert habe: "Ein Unding, dass uns das nicht gleich zu Beginn der Netzstörung angeboten worden ist!", schimpft der Kloster-Chef.

Er erinnert sich: "Wir haben vor zwei Jahren schon einmal das Gleiche erlebt. Man fühlt sich als Einzelner absolut machtlos. Am Schluss heißt es bei der Telekom, man sei nicht zuständig, oder man erreiche selbst gerade keinen Verantwortlichen", sagt Pater Felix, der übrigens auch von vielen Klosterbesuchern erfahren hat, das sie ganz ähnliche Erfahrungen mit der Telekom gemacht haben.

Auf Nachfrage unserer Redaktion "lüftete" die Telekom dann gestern "das Geheimnis", weshalb es zu dieser langen Großraumstörung des gesamten Telefonfestnetzes und des Internets gekommen war: "Ursache war Wasser, das an verschiedenen Stellen in ein Glasfaserkabel gedrungen ist", teilte Telekom-Sprecherin Sandra Rohrbach mit und fügte hinzu: " Leider war die Entstörung recht aufwendig, da erst der genaue Störungsort gefunden werden musste. Dann wurde Material bestellt, eine Tiefbaufirma beauftragt und die neuen Leitungen wurden eingespleißt. Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten sehr und bitten unsere Kunden um Entschuldigung", schrieb sie.

Auf unsere Redaktionsanfrage, ob es richtig sei, dass die Telekom bis heute den Beschwerden der Betroffenen nicht nachgegangen sei und keine Abhilfe in Form einer möglichen Rufumleitung angeboten habe, gab sie aber keine Antwort.

(NGZ)