Jüchen: "Wir suchen noch ein neues Projekt"

Jüchen : "Wir suchen noch ein neues Projekt"

Wie geht es mit dem Online-Demokratieprojekt "Youthpart" weiter? Projektbegleiter Thomas Hochstein sucht zum Abschluss nach einem neuen Vorhaben. Realisiert wurde etwa die Gestaltung der Badfassade in Hochneukirch mit Grafitti.

Herr Hochstein, das Projekt "Youthpart #lokal" läuft in drei Monaten, am 31. Oktober, aus. Welche sichtbaren Erfolge gibt es?

Thomas Hochstein Einer ist die Gestaltung der Hallenbadfassade in Hochneukirch mit Graffitikunst. Weiterhin haben wir mit Beteiligung von Jugendlichen in diesem Jahr die Altweiber-Party im Jüchener Redhot organisiert.

Das generelle Anliegen des Projekts war es ja, Jugendliche über eine Online-Plattform zu erreichen. Dort sollten sie konkrete Vorschläge diskutieren, wie sie ihr lokales Umfeld verändern wollen. Diese Ideen sollten dann in den Ausschüssen und im Gemeinderat diskutiert werden - als Ersatz für einen Jugendrat, den es in anderen Kommunen gibt. Hat das funktioniert?

Hochstein Nur teilweise. In Jüchen konnten wir die Jugendlichen nicht dauerhaft an die Internetplattform binden. Aber damit steht die Gemeinde nicht allein - mit diesem Problem kämpfen auch die übrigen Modelkommunen im Projekt.

War das Verfahren - erst auf der ,Youthpart'-Seite anmelden, danach Beiträge posten - zu kompliziert?

Hochstein Wir sind neben der Plattform auch in Facebook aktiv, wollten die jungen Jüchener über die bekannten soziale Netzwerke erreichen. Für mich stellt sich eher die Frage, ob Partizipation ohne den realen Kontakt wirklich funktionieren kann. In zwei Schulworkshops für ,Youthpart#lokal' haben wir auch tolle Ideen mit Jugendlichen erarbeitet.

Oder interessieren sich die Jugendlichen nur wenig für das, was vor ihrer Haustür geschieht?

Hochstein Das kann man nicht verallgemeinern. Man kann die Jugend durchaus erreichen: Sobald es ein konkretes Projekt gibt, hinter dem eine Interessensgruppe steht, weckt man Interesse. Eine dauerhafte Beteiligung zu unterschiedlichen Themen hingegen ist schwer.

Welche Vorschläge kamen denn bisher von den Jugendlichen auf?

Hochstein Beispielsweise der Wunsch nach einem Kino. Dort konnten wir erfolgreich auf ein neues Angebot der evangelischen Kirchengemeinde Otzenrath-Hochneukirch verweisen. Weiterhin wünschten sich die Jugendlichen, dass der Bolzplatz am Nordring saniert oder dass in der Schule in Hochneukirch ein Schülercafé eingerichtet werden sollte.

Kann eines dieser Projekte realisiert werden?

Hochstein Das ist schwierig. Denn bisher fand jeder Vorschlag nur die Zustimmung von einzelnen, eine breite Unterstützung gab es auf der Online-Plattform dafür nicht.

Jetzt haben Sie nur noch zwölf Wochen Zeit: Was können Sie in diesem relativ kurzen Zeitraum überhaupt noch erreichen?

Hochstein Auch nach dem Projektende werden wir uns natürlich weiter mit dem Thema befassen. Aber zunächst findet in der kommenden Woche ein Gespräch mit unserem Prozessbegleiter Erik Flügge statt, in dem wir gemeinsam überlegen, was wir in der nächsten Zeit erreichen möchten und wie wir für die Zukunft nachhaltig Jugendbeteiligung gestalten können. Kurzfristig könnte ein konkretes Projekt, das viele Jugendliche anspricht und schnell realisierbar wäre, noch mal Schwung in die Angelegenheit bringen.

DANIELA BUSCHKAMP FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ)