Jüchen: "Wir sind wieder Otzenrath und Holz"

Jüchen: "Wir sind wieder Otzenrath und Holz"

Die Gemeinde Jüchen streicht den Zusatz "neu" von den Ortsschildern der umgesiedelten Dörfer. Die Vereinsvertreter betrachten die Änderungen mit gemischten Gefühlen. Viele Menschen haben noch Erinnerungen an die alten Orte.

Sieben Jahre nach dem offiziellen Ende der Umsiedlung von Holz, Otzenrath und Spenrath entfernt die Gemeinde Jüchen in diesen Tagen den Zusatz "neu" an den gelben Ortseingangsschildern. Aus "Neu-Holz" und "Neu-Otzenrath/Spenrath" werden also wieder Holz und Otzenrath/Spenrath.

Die Entfernung des "Neu"-Zusatzes ist jedoch nicht nur ein Verwaltungsakt, sondern auch ein weiteres Symbol für den Abschluss der langwierigen Ortsumsiedlungen. Rund 2400 Bürger aus den drei Dörfern mussten ihre Heimat wegen des fortschreitenden Braunkohletagebaus Garzweiler II verlassen. Die ersten Menschen zogen 2001 in die neuen Orte, die wenige Kilometer weiter nördlich von Hochneukirch entstanden.

Und was sagen die Betroffenen? "Ich bin froh, dass sich die Otzenrather heute wieder als Otzenrather fühlen. Aber den alten Ort vergessen? Das funktioniert nicht. Die Dörfer sind nicht eins zu eins kopierbar", sagt Dirk Weidemann, der 2005 als einer der letzten Bürger von Alt- nach Neu-Otzenrath umsiedelte. Für den Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft wird das heutige Otzenrath/Spenrath immer eine Art "Heimat Nummer Eins B" bleiben - obwohl er sich wie die meisten Bürger inzwischen auch mit dem neuen Ort identifiziert.

Weidemann spricht, wenn es um Otzenrath/Spenrath geht, inzwischen von seiner Heimat. Von einer neuen Heimat, die aber nicht durch einen permanenten Namenszusatz abgeschwächt werden soll: "Ich denke, dass es ein richtiges Zeichen ist. Die Umsiedlung ist abgeschlossen - auch wenn die Orte insgesamt noch sehr steril wirken."

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Was bleibt, ist die emotionale Verbindung zu Alt-Otzenrath, zu Alt-Spenrath und auch zu Alt-Holz - zu Dörfern, die über Jahrzehnte natürlich gewachsen sind. "Es ist ruhiger geworden durch die Umsiedlung", sagt Christian Mostert, Präsident des Spiel- und Bürgervereins Holz. In dem kleinen Ort hat sich durch die Umsiedlung viel verändert: Es gibt keine Geschäfte mehr, keinen Treffpunkt - und es sind im Gegensatz zu Alt-Holz deutlich weniger Menschen im Vereinsleben aktiv. Mostert betrachtet die Entfernung des "Neu"-Zusatzes mit gemischten Gefühlen: "Einerseits ist es richtig, weil der Großteil der Menschen inzwischen im neuen Ort angekommen ist und sich gut zurechtfindet. Andererseits ist es wie ein endgültiger Schlussstrich für Alt-Holz." Als richtig "abgeschlossen" bezeichnet er die Umsiedlung noch nicht: "Es gibt noch einige Baulücken. Und uns fehlt nach wie vor eine Begegnungsstätte."

Doch bis wann kann eigentlich von einer Umsiedlung die Rede sein? Dass die Bauarbeiten am Holzer Bürgerhaus seit fast fünf Jahren kaum voran schreiten und bis heute nicht einmal der Estrich gelegt wurde, ist nicht von RWE Power verschuldet. "Jetzt sind die Vereine gefragt. Wir müssen uns stärker dafür einsetzen, dass die Strukturen weiter wachsen können", sagt Mostert.

Denn nur mit gewachsenen Strukturen können aus dem neuen Holz, dem neuen Otzenrath und dem neuen Spenrath wieder "alte Orte" werden. "Ich bin mir sicher, dass auch die Bindungen zu den alten Dörfern verschwinden werden. Aber das braucht Zeit", erzählt Dirk Weidemann aus Otzenrath.

Auch die Straßennamen, die aus den alten Orten übernommen wurden, erhalten wieder ihre ursprüngliche Bezeichnung, verlieren etwa beim Neudruck des Stadtplans den Zusatz "neu". Die Gemeindeverwaltung hat ihr Meldesystem bereits angepasst.

(NGZ)
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