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Jüchen: Wir haben eine Herberge für die Gemeinde

Jüchen : Wir haben eine Herberge für die Gemeinde

Die Gottesdienstbesucher waren empört oder mindestens verwundert darüber, was Pfarrerin Gabi Beuscher da vorne im Altarraum trieb. Mit dicker roter Farbe schrieb sie das Gottesdienstmotto an die Wand ihrer Kirche.

Einer Kirche, die sich in den kommenden Monaten noch sehr viel mehr verändern wird. Die evangelische Kirche in Kelzenberg wird renoviert, eine frohe Botschaft für das Pfarrer-Ehepaar Gabi und Bodo Beuscher und die mehr als 2000 Gemeindeglieder. "Wir haben so lange darauf gewartet. Es wird höchste Zeit. Die letzte Renovierung war 1983", sagt Bodo Beuscher.

Rund 100 000 Euro wird die Sanierung kosten, aber in den vergangenen zehn Jahren ist soviel Geld gesammelt worden. 2007 wurde erst das Gemeindehaus eingeweiht, jetzt ist die Kirche endlich dran. Im besten Fall soll alles in acht Wochen erledigt sein. Elektrik, Malerarbeiten für die Wände, Kirchenbänke werden repariert, neue Lampen kommen und noch viel mehr. "Wir wollen mehr Raum in der Kirche. Wenn man einlädt, muss man auch Platz bieten", sagt Gabi Beuscher. Nur: Wo sollte die Gemeinde hin? Im Schnitt kommen 210 Menschen zu den Kelzenberger Gottesdiensten — auch einige aus Korschenbroich.

Die Beuschers fanden die naheliegendste Lösung. Die ist zu Fuß genau 1,3 Kilometer entfernt, ein 15-Minuten-Marsch. Man kann den Kirchturm von St. Pankratius Garzweiler vom Gemeindehaus Kelzenberg sehen. Zwei Monate kommen Kelzenbergs Protestanten bei Garzweilers Katholiken unter. Eine Kirche gewährt der anderen Unterschlupf, eine Herberge auf Zeit. "Ich freue mich total. Eine Gemeinde ist in Bewegung, sie kommt in ein anderes Haus — das macht etwas mit einer Gemeinde", findet Gabi Beuscher. "Für sie ist das ein Geschenk des Himmels, für uns eine Selbstverständlichkeit", sagt Uli Clancett, Pfarrer der katholischen Gemeinde. Nicht einmal die Gottesdienstzeiten müssen geändert werden.

Dafür steht ein aufwendiger Umzug an. Nach der Silvester-Feier in der Kirche geht's los. Die Kelzenberger nehmen ihren Beamer mit, ab und zu wird im Gottesdienst ja auch ein Video geschaut. Ein Keyboard kommt mit, eine Soundanlage für die Band. Die verschiedenen Teams treffen sich ab dem 2. Januar. Und sechs Tage später wird erstmals im katholischen Gotteshaus im Nachbardorf gefeiert.

Dort hängt in diesen Tagen ein Werbeplakat, das wie ein Willkomensgruß an die Kelzenberger Gemeinde wirkt: "Schon renoviert?" Bald.

(RP/rl)