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Jüchen: Warum Jüchen keine Stadt wird

Jüchen : Warum Jüchen keine Stadt wird

Jahrelang kämpfte die Gemeinde vergebens um den Stadtstatus. Jetzt könnte Jüchen zur Stadt werden, verzichtet aber, weil sie sich zusätzliche Aufgaben nicht leisten kann. Lieber würde die Verwaltung Belastungen teilen.

Die Ortseingangsschilder werden in Jüchen so schnell nicht ausgetauscht werden müssen. Denn aus der Gemeinde Jüchen wird wohl vorerst keine Stadt werden. "Momentan ist das nicht reizvoll", sagt dazu Bürgermeister Harald Zillikens, der erklärte, dass ihn junge Menschen häufig darauf ansprechen, warum Jüchen keine Stadt ist. Das Paradoxe: Jahrelang kämpfte Jüchen tatsächlich darum, Stadt werden zu dürfen. Jetzt geht es, doch nun verzichtet die Gemeinde auf ihre Stadtrechte. Der Grund: die Kosten.

Bis vor wenigen Jahren brauchte eine Kommune für den Stadtstatus mindestens 25 000 Einwohner. Jüchen lag immer knapp darunter. Einwohner sollten angesiedelt werden, um die 25 000er-Marke zu überspringen. Seit 2008 erlaubt es das Gemeindeordnungs-Reformgesetz, dass eine Ortschaft mit mindestens 20 000 Einwohnern eine mittlere kreisangehörige Stadt werden kann.

Doch darauf verzichtet Jüchen, denn wesentliche Vorteile ergeben sich nicht. "Wir würden keine höheren Zuweisungen vom Land bekommen", erklärt Harald Zillikens. Denn die nächste Staffelklasse, nach der die Zuweisungen unter anderem berechnet werden, beginnt bei 25 000 Einwohnern — egal ob Stadt oder Gemeinde. Jüchen fehlen also weiter 2500 Einwohner, um zu profitieren.

Eine Stadt Jüchen hingegen müsste einige Aufgaben, die derzeit die Kreisverwaltung übernimmt, wieder selbst erledigen. Um die Verkehrslenkung und die Bauaufsicht müsste sich die Verwaltung selbst kümmern. Dafür müssten eigene Ingenieure eingestellt werden — teure Fachkräfte würden den ohnehin arg strapazierten Etat belasten. Zudem könnte das Land weitere Aufgaben an die dann mittlere kreisangehörige Stadt abtreten, ohne dass Jüchen das ablehnen könnte.

So aber werden die Aufgaben weiter für die Gemeinde erledigt. Zudem sind städtische Kernaufgaben wie Jugendamt, Personalnebenkosten und Rechnungsprüfungsamt ohnehin an die Kreisverwaltung abgetreten, dafür zahlt Jüchen fallbezogen Gebühren für die Dienstleistungen. "Derzeit wird überlegt, welche Aufgaben wir sinnvollerweise von der Gemeinde weiter übernehmen könnten", sagte Kreissprecher Harald Vieten. "Interkommunale Zusammenarbeit ist angesichts der überall leeren Kassen der Trend."

Zillikens versteht darunter nicht zwingend eine Übertragung von Aufgaben auf den Kreis, sondern auch eine Zusammenarbeit unter den Kommunen. "Wie in der Bürgermeisterkonferenz beim Landrat vorgetragen, sind wir an einer Zusammenarbeit mit Feuerwehren benachbarter Städte zum Beispiel beim Digitalfunk interessiert", sagte Zillikens unserer Zeitung.

(RP/rl)