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Jüchen: Volkstrauertag: Lehren aus der Geschichte ziehen

Jüchen : Volkstrauertag: Lehren aus der Geschichte ziehen

Die Temperaturen waren eisig, der Nieselregen wenig anheimelnd - und trotzdem standen etwa 100 Menschen anlässlich des Volkstrauertags andächtig und still am Ehrenmal. Fackelträger, die Köhm-Musikanten, Standarte und die katholische Kirchenchorgemeinschaft Hochneukirch, Jüchen, Otzenrath gaben der Gedenkfeier, die vom Bürgerschützen- und Heimatverein und Schülern des Jüchener Gymnasiums gestaltet wurde, den passenden feierlichen Rahmen.

Ähnlich feierlich wurden auch in anderen Pfarren der Gemeinde Gedenkfeiern gemeinsam mit Schützen- und Heimatvereinen abgehalten. So hatten zum Beispiel Schüler des Q2-Geschichtskurses am Jüchener Gymnasium das Gemeindearchiv genutzt, um in Schulchroniken notierte Ereignisse aus den Kriegsjahren zu zitieren.

Darin berichtete Lehrer Runsdorf im Jahr 1916 von Kanonendonner, Unterrichtsausfall, aufgrund von eingezogenen Lehrern, knapper werdenden Heizmaterial und Schülern, die an Tuberkulose erkrankten. Lehrer Kamphausen stellte im Februar 1917 in Wallrath fest, dass überall Krieg herrscht. An seinen Bericht vom Waffenstillstand 1918, dem Exil des Kaisers, Krankheit und Not der Mitbürger, schloss sich nüchtern eine Aufzählung an, wie viele gefallenen Soldaten die Orte zu beklagen hatten. Eine Schweigeminute verlieh dem Gedenken die nötige Würde. Bundestagsabgeordneter Ansgar Heveling erinnerte in seiner Rede: "Vor 103 Jahren war Krieg die Fortsetzung der Politik. Junge Menschen zogen voller Euphorie in Schlachten." Heveling gedachte ebenso der zahllosen Opfer des Zweiten Weltkrieges. "Der Volkstrauertag gewinnt an Bedeutung je mehr Zeit vergeht, damit Erinnerungen nicht verblassen", stellte er fest - auch an die, die falschen Ideologieen zum Opfer fielen.

Jule Strube (14) und Hannah Schmeing (15), nahmen an der Veranstaltung teil. "Wir sind erst im nächsten Jahr im Geschichtskurs, der das Gedenken begleitet, und jetzt freiwillig hier", erzählten sie tief beeindruckt vom Totengedenken und dem lokalen Bezug.

(NGZ)