Jüchen: Treffen 65 Jahre nach Einschulung

Jüchen: Treffen 65 Jahre nach Einschulung

Rund 25 Schüler der ersten Nachkriegs-Generation trafen sich jetzt in Jüchen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sie nichts - und trotzdem haben sie aus allem etwas gemacht. An viele Anekdoten aus ihrer Schulzeit erinnern sich die ehemaligen Volksschüler, die sich 65 Jahre nach ihrer Einschulung jetzt wieder in Jüchen trafen. "Ich erinnere mich noch gut, wie wir beim ,alten Lenzen' im Garten Äpfel geklaut haben", sagt Hildegard Koch. Sie zählt zu 53 Kindern der katholischen Schule aus den Jahrgängen 1946 und 1947, die im Alter von sechs oder sieben Jahren eingeschult wurden - in einer Zeit, die stark von den Wirren des wenige Jahre zuvor zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieges geprägt war. Koch lebt heute in Norwegens Hauptstadt Oslo und ist dort als Dominikanerin in einem Kloster auch als Seelsorgerin aktiv. "Unsere Wurzeln liegen aber in Jüchen", sagt sie - und spricht mit für ihre 20 ehemaligen Mitschüler und sieben Freunde der evangelischen Schule, die jetzt zum Klassentreffen kamen.

Das Wiedersehen der Jüchener fiel herzlich aus - die meisten erkannten sich auf Anhieb. "Wenn ich mir das Gruppenfoto ansehe, das bei unserer Einschulung gemacht wurde, erkenne ich auch heute noch fast alle wieder - natürlich auch unseren Lehrer Hubert Klinkhammer", erzählt Werner Herpens, der heute, wie die meisten der ehemaligen Schüler, 71 Jahre alt ist. "Die Veränderungen sind interessant. Wir fragen uns, was aus unseren Schulfreunden geworden ist", sagt Herpens, der nach der Schule bei der Bahn gearbeitet hat. "Vier von uns sind Lehrer geworden", sagt er, andere hätten handwerkliche Berufe gelernt oder seien Beamte geworden - so wie der ehemalige Polizist Heinz Portz, der zu dem Treffen eingeladen hatte. "Eine von uns ist später nach Australien ausgewandert und lebt bis heute dort", berichtet Herpens, der heute in Jüchen lebt.

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Die Ex-Schüler tauschten zahlreiche Geschichten aus, ihre Erinnerungen sprudeln. So ist es auch bei Hildegard Koch: Eines Winters habe sie mit Heinz Portz und ihrer Freundin Christel Schwartz eine Nonne auf einem Schlitten sicher einen vereisten Abhang hinunterfahren wollen - eine Aktion, die völlig außer Kontrolle geriet: "Wir sind mit dem Schlitten samt der 80-jährigen Schwester Hipolita umgekippt", erinnert sie sich. Die betagte Schwester habe sich mehrere Knochen gebrochen - und die Schüler mussten sie zur Strafe jeden Morgen zur Frühmesse in die Kirche bringen. "Die Schwester war sehr lieb zu uns: Nach der Messe durften wir mit ihr frühstücken und kamen dadurch zu spät zur Schule", sagt sie und lacht.

(cka)