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Tierschutz in Jüchen: Aldenhovener schaffen ein "Schwalben-Hotel"

Tierschutz in Jüchen : Aldenhovener schaffen „Schwalben-Hotel“

Das Wohnhaus von Familie Kluth ist vom Naturschutzbund als besonders schwalbenfreundlich „zertifiziert“ worden. Die Tiere können am Haus in derzeit neun Kunst-Nestern Nachwuchs großziehen. Die Schwalben nehmen das gut an.

Guido und Nancy Kluth aus Aldenhoven geben Tieren ein Zuhause. Und das auf eine besondere Art und Weise: Ihr Wohnhaus an der Königstraße ist jetzt vom Naturschutzbund (NABU) als besonders schwalbenfreundlich ausgezeichnet worden. Der Grund: Die Kluths haben an der Fassade ihres Hauses neun Nester angebracht, in die sich Mehlschwalben zurückziehen können. Das „Angebot“ nehmen die Tiere mit dem charakteristisch gegabelten Schwanz nur zu gern an. „Momentan sind acht der neun Nester belegt“, sagt Guido Kluth. Darin werden auch Jungtiere versorgt.

 Guido Kluth zeigt die Plakette des Naturschutzbundes, die das Wohnhaus als besonders schwalbenfreundlich kennzeichnet.
Guido Kluth zeigt die Plakette des Naturschutzbundes, die das Wohnhaus als besonders schwalbenfreundlich kennzeichnet. Foto: Georg Salzburg (salz)

So herrscht an der weißen Fassade reges Treiben. Es wird munter gezwitschert, ab und an gibt es auch interessante „Flugshows“ zu sehen, sagt Kluth. Die Familie hilft den Schwalben in Aldenhoven mittlerweile seit fast vier Jahren. Der Auslöser: mehr oder weniger ein Zufall. „Vor vier Jahren hatten wir Schwalben hier, die an der Mauer versucht haben, ein Nest zu bauen. Das ist dann aber gescheitert, weil sie wohl nicht genug Baustoff dafür gefunden haben“, sagt der 51-Jährige.

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Schwalben bauen Nester unter anderem aus Lehm – an einer weißen Fassade eher ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Um Lehmflecken zu vermeiden und den Tieren zu helfen, haben die Kluths sich damals dazu entschlossen, Kunst-Nester an ihrer Fassade anzubringen. „Fertighäuser“ für Schwalben, wenn man so will. Im Laufe der Jahre sind es immer mehr geworden, entsprechend der Nutzung. Was das Aldenhovener Wohnhaus für Schwalben so interessant macht? Guido Kluth hat eine Vermutung: „Unser Haus ist nicht ganz so hoch gelegen, wir haben eine raue Fassade, außerdem einen Garten, und in der Umgebung gibt es viel Vegetation.“ So liegen einige Felder in der Nähe, Waldstücke – auch fließt dort der Jüchener Bach. Vielleicht sind es diese „Standortfaktoren“, die die Gegend für Schwalben so attraktiv machen.

„Die Tiere zu vertreiben, war für uns nie eine Option“, sagt Guido Kluth und spricht damit auch für seine Frau. Es sei gerade in diesen Zeiten geboten, der Natur zu helfen. „Wir Menschen schränken den Lebensraum der Schwalben ohnehin ein, deshalb können wir ruhig etwas für sie tun“, meint er. Das Anbringen der Nester ist für die allgemein tieraffine Familie daher eine Selbstverständlichkeit gewesen. „Wir haben auch noch ein Pferd und zwei Hunde“, sagt Kluth. Um diverse andere Vögel – Spatzen, Meisen, Spechte und Co. – kümmert sich die Familie durch Futterstellen im eigenen Garten genauso.

 Eine Schwalbe fliegt die an der Hausfassade angebrachten Nester an (links), um den Nachwuchs zu füttern (rechts).
Eine Schwalbe fliegt die an der Hausfassade angebrachten Nester an (links), um den Nachwuchs zu füttern (rechts). Foto: Georg Salzburg (salz)

Den Kluths bereitet es Freude, den Tieren zuzuschauen. „Die Jungtiere gucken immer wieder aus den Nestern. Und Schwalben sind tolle Flugkünstler“, sagt Guido Kluth. Das Gezwitscher der Tiere störe nicht – und deren Hinterlassenschaften würden so „landen“, dass sie leicht entfernt werden können. „Kein Problem“, sagt Guido Kluth: „Das nehmen wir in Kauf. Die Tiere wären ja auch so da. Und sie deshalb zu vertreiben, kommt für uns nicht in Frage.“

Das Wohnhaus der Kluths schmückt jetzt eine Plakette des Naturschutzbundes mit der Aufschrift „Hier sind Schwalben willkommen“. Die Naturschützer loben das Engagement der Aldenhovener für die Tiere. „Die Flächenversiegelung nimmt immer weiter zu. Wenn das so weitergeht, wird es auch für Schwalben immer schwieriger“, sagt Rudolf Kuhn vom Nabu Jüchen.

Künstliche Nester wie die, die Familie Kluth einsetzt, könnten helfen, ebenso das Anlegen einer Lehmkuhle, die gut anzufliegen ist. Laut Kuhn haben Schwalben vielerorts Probleme, Nahrung zu finden. „Die Tiere ernähren sich von Insekten“, erklärt er: Wer Schwalben helfen will, sollte deshalb auf den Einsatz von Insektiziden verzichten. Kuhns subjektiver Eindruck ist, dass die Zahl der Schwalben in der Region in den vergangenen Jahren abgenommen hat. „Insofern begrüßen wir das Engagement der Familie sehr“, sagt er.