Tamilengemeinde beendet in Jüchen ihr Tempelfest mit einer Prozession

Tamilenprozession in Jüchen : 400 Hindus ziehen durch Hochneukirch

Das zehntägige Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde Hochneukirch endete jetzt mit dem Wagenfest, einer bunten, lauten und fröhlichen Prozession durch Hochneukirch, bei der die Gottheiten die Umgebung „erkundeten“.

Auch viele junge tamilisch-stämmige Hochneukircher pflegen die kulturelle Tradition. Der Hindutempel in Hochneukirch ist nach einem Jahr längst zu einem Treffpunkt geworden. Vor 30 Jahren kamen 150 tamilische Flüchtlinge wegen des Bürgerkrieges in ihrer Heimat nach Hochneukirch. Farbenfrohe Abbilder der Gottheiten – auch von Ganeschas Bruder Karttikeya – wurden am Sonntag für den Abschluss und Höhepunkt des zehntägigen Tempelfestes „Ther thiruvila“ – gleichzeitig dem ersten seit der Einweihung des Tempels in Hochneukirch – kunstvoll für eine Prozession angefertigt. „Wir wollen damit Hochneukirch nach Sri Lanka bringen und wieder zurück“, erklärte Luxsuja Kanesamoorthy (24), die zur jüngeren Generation der Hinduisten in Jüchen zählt.

„Der Tempel bringt Heimat in unsere deutsche Heimat“, bringt Kanesamoorthy es auf den Punkt. Ebenso wie die anderen Frauen war sie in ein buntes Gewand, einen Sari, gehüllt. Die Männer trugen sogenannte Veddis und haben meist den Oberkörper frei. Ebenso wie im Inneren des Tempels beschritten die meisten Hindus auch den Weg der Prozession um den Tempel herum barfuß: So verlangt es die Religion, denn die Gottheit soll nicht mit Schuhen getreten werden. Begleitet von lauten Trommeln und Trompeten wurden die Abbilder Ganeschas, Parvatis, Shivas und Karttikeyas auf die prachtvoll geschmückten Wagen gesetzt, die später an Seilen gezogen wurden. Zuvor brachten die Männer noch Kokosnüsse an einem Stein zum Zerschellen, ein Symbol für die durch die Götter erfüllten Wünsche. Begleitet wurden die Prozessionswagen von Priestern, Musikanten und der Gemeinde – in diesem besonderen Fall auch von einigen Hochneukirchern.

„Die Musik ist sehr laut“, sagte auch ein Priester entschuldigend und fügte hinzu: Wenn böse Menschen etwas Schlechtes sagten, solle dies niemand hören können. Der Dank der Hinduistischen Gemeinde Jüchen galt auch den Hochneukirchern: „Ja, wir sind laut, wir haben laute Trommeln. Allerdings haben wir in den vergangenen Wochen die Wände unseres Tempels gedämmt, und nach zehn Tagen kehrt am Dienstag wieder Ruhe ein“, versprach der Priester. Karl-Heinz Ehms und Hildegard Kux hatten vor ihren Häusern an der Gartenstraße einen kleinen Altar aufgebaut, an dem die Tamilen auf ihrer Prozession Halt machten und beteten. Dort wurden sie auch mit Getränken versorgt. „Es sind nicht ganz so viele Hindus gekommen, wie wir erwartet hatten. Geplant haben wir mit bis zu 1000 Menschen, die sich an der Prozession beteiligen“, berichtete Luxsuja Kanesamoorthy. Immerhin gut 400 nahmen teil. Zurück am Tempel wurde Ganescha mit Früchten als Opfergabe erfrischt.