Straßen.NRW verfolgt trotz des Widerstandes aus der Jüchener Politik weiter die Trassenplanung für die L354n vor der Autobahn

Planung für die L554n in Jüchen : Land bleibt bei umstrittener Trasse

Trotz der Ablehnung des Jüchener Stadtrates verfolgt der Landesbetrieb Straßen.NRW die bisherige Planung für die Landstraße 354n weiter.

Hamlets Sein- oder Nichtsein-Frage lautet, übertragen auf Hochneukirch: Soll die L354n vor oder hinter die Autobahn gebaut werden? Eine Bürgerinitiative aus Holz hatte es bekanntlich geschafft, die Politik zum Umdenken zu bewegen. Per Ratsbeschluss wird seither von der Stadt das Anliegen der Bürger befürwortet, die neue Umgehungsstraße hinter die A46 zu bauen, um die befürchtete, erhebliche Verkehrsbelastung für die Holzer Straße und das Wohngebiet zu vermeiden. Kritik gab es zudem an dem weiteren geplanten Trassenverlauf durch das künftige Wohngebiet Jüchen-West. Straßen.NRW plant indes die Trasse vor der A46.

Die „Sinnesänderung“ der Politiker zur L354n hat Bürgermeister Harald Zillikens mittlerweile auch Straßen.NRW mitgeteilt. Denn diese Landstraße müsste von RWE als Wiederherstellungsleistung finanziert, vom Landesbetrieb gebaut werden. FWG-Fraktionschef Gerolf Hommel hatte im Hauptausschuss nachgefragt, ob Straßen.NRW auf die veränderte Situation in Jüchen inzwischen reagiert habe. Der Bürgermeister hatte aber noch keine Antwort. Er hoffe aber, dass sich im nächsten Planungsausschuss am 26. Juni möglicherweise Vertreter von Straßen.NRW und RWE zum Thema L354n einfinden werden. Eine Redaktionsnachfrage bei Straßen.NRW ergab, dass es dort trotz der Ablehnung aus Jüchen „bisher keine überarbeitete Planung“ zur L354n gibt. Auf die Frage, wie und wann Straßen.NRW auf den Ratsbeschluss reagieren werde, informiert eine Sprecherin: „Die Voraussetzung für den Fortgang der Planung ist die Festlegung, wie eine neue L354n in das vorhandene Straßennetz eingebunden werden kann. Eine Einigung über ein Klassifizierungskonzept konnte bislang nicht erzielt werden.“ Straßen.NRW habe der Stadt verschiedene Vorschläge unterbreitet und stehe für weitere Gespräche zur Verfügung.

Zu der Frage, ob Straßen.NRW die bisherige Trassenplanung über die Holzer Straße weiterverfolge, entgegnet die Sprecherin: „Es wurde bislang die Linie mit dem höchsten Verkehrswert verfolgt, über eine Anpassung wurde noch nicht beraten.“ Allerdings gebe es mit RWE keine Absprachen zur Straßenplanung, räumt sie ein.

Die Nachfrage bei RWE ergab ähnliche Antworten. Auch dort gibt es laut Sprecher Guido Steffen noch keine überarbeitete Planung für die L354n und demzufolge noch keine Anpassung der ursprünglichen Trassenplanung über die Holzer Straße. „Wir müssen erst sehen, wie eine neue L354n in das vorhandene Straßennetz eingebunden werden kann“, sagt er. Straßen.NRW habe der Stadt, dem Vernehmen nach, dazu verschiedene Vorschläge gemacht. Und Steffen verdeutlicht: „Straßen.NRW ist der Planungsträger. RWE finanziert als ersatzpflichtiges Unternehmen, das die alte Anschlussstelle Otzenrath an die alte A44 und andere Straßen tagebaubedingt weggenommen hat.“ Absprachen zwischen RWE und der Landesbetrieb gebe es zur L354n aber nicht, betont auch Steffen.

Gerolf Hommel kündigt indes für seine Fraktion an, weiterhin „Druck machen“ zu wollen, was die Umsetzung des Ratsbeschlusses vom Dezember 2018 zur L354n anbelangt. Er gibt allerdings auch zu bedenken: Sollte es zu keiner Einigung über den Trassenverlauf kommen, dann sei RWE lediglich verpflichtet, die Summe für die dann ausgefallene Wiederherstellungsleistung dem Land zu erstatten: „Dann fließt das Geld in irgendeinen Topf beim Land, und wir als Stadt Jüchen sehen nichts mehr davon“, befürchtet der FWG-Fraktionsvorsitzende.