Straßen.NRW lehnt weiteren Lärmschutz an der A44n für Jüchen-Hochneukirch ab

Autobahnlärm in Hochneukirch : Straßen.NRW streitet Lärmzunahme ab

Der vorhandene Lärmschutz an der A 44n sei immer noch ausreichend dimensioniert, schreibt der Landesbetrieb der Stadt Jüchen.

Seitdem die A 44n in Betrieb genommen worden ist, klagen die Bürger in Hochneukirch über eine deutliche Zunahme der Lärmbelästigung, insbesondere in der Siedlung in Sichtweite der neuen Autobahn. Diese ist zwar von einer Lärmschutzmauer flankiert, Lkw sind aber zu einem Teil oberhalb der Mauer zu sehen und somit auch zu hören. Deshalb hatte die Stadtverwaltung auf Druck der Kommunalpolitik eine Lärmmessung an drei Stellen in Hochneukirch bei einem Ingenieurbüro in Auftrag gegeben. Mit den Ergebnissen konfrontierte die Stadt jetzt Straßen.NRW. Doch die Antwort ist ernüchternd und ablehnend, wie der Umwelt- und Verkehrsausschuss jetzt erfuhr.

Wie und ob die Stadt Jüchen auf die Ablehnung weiterer Lärmschutzmaßnahmen an der A 44n reagieren kann und wird, konnte Bürgermeister Harald Zillikens im Fachausschuss noch nicht sagen: „Wir werten das Schreiben jetzt aus und werden in der nächsten Ausschusssitzung über unsere Erkenntnisse berichten“, kündigte er an.

Zur Verwertbarkeit der Messergebnisse hatte im Vorfeld die FWG-Fraktion bereits kritische Nachfragen. Der Tenor: Die Lärmmessungen seien an Tagen vorgenommen worden, als der Wind vorwiegend in die dem Siedlungsgebiet entgegen gerichtete Himmelsrichtung geweht habe.

Dessen ungeachtet verweist Straßen.NRW in seinem Schreiben an die Stadtverwaltung aber auf den anstehenden, sechsstreifigen Ausbau der A 46 und teilt wörtlich mit: „Aus heutiger Sicht ist der vorhandene Lärmschutz immer noch ausreichend dimensioniert. Da im Prognosejahr 2035 die Wiederherstellung der A 61 erfolgt, kann aufgrund der zu erwartenden Reduzierung der Verkehrsmengen auf der A 456 zwischen dem Autobahnkreuz Wanlo und dem Autobahnkreuz Holz mit einer deutlichen Abnahme der Lärmimmissionen gerechnet werden“, schreibt Riccardo Weber aus der Bauabteilung.

Straßen.NRW räumt zwar ein, dass der Verkehr auf den Autobahnen in den kommenden Jahren noch steigen werde. Aber selbst bei einer Verdoppelung des Verkehrs von heute etwa 48.000 Fahrzeugen auf 96.000 innerhalb von 24 Stunden werde sich der Lärmpegel nur um drei Dezibel erhöhen. Dieser Wert werde aber vom menschlichen Gehör nur minimal wahrgenommen. Zudem halte Straßen.NRW eine tatsächliche Verdoppelung des Verkehrs für „sehr unwahrscheinlich“, teilt der Mitarbeiter der Bauabteilung mit. Und ganz rigoros widerspricht Straßen.NRW den Hochneukirchener Bürgern, die über die Lärmbelästigungen klagen: Eine spürbare Zunahme des Autobahnlärms im Bereich Hochneukirch könne seit der Verkehrsfreigabe der A 44n am 29. August 2018 „ausgeschlossen werden“.

Auch verweist Straßen.NRW auf den sogenannten Flüsterasphalt auf der A 44n, der den Lärm bereits um fünf Dezibel mindere. Der Baulastträger beruft sich schließlich auch auf die Gesetzeslage, die Straßen.NRW zu keiner weiteren Lärmminderung als der bereits erfolgten verpflichte. Das Messgutachten der Stadt Jüchen könne nicht berücksichtigt werden: Aufgrund der fehlenden Anspruchsvoraussetzung, der Einhaltung der Lärmsanierungsauslösewerte sei es Straßen.NRW nicht möglich, weitere Lärmschutzmaßnahmen vorzusehen, heißt es in der Ablehnung.